Hi bigtown,
ok, mit Gesamtstickstoff und Gesamtphosphor kann man schon eher was anfangen. Ich gehe mal davon aus, dass die Werte stimmen, das kann von uns keiner beurteilen. Also vertrauen wir mal darauf.
Ich lasse das Redfield-Verhaeltnis erst mal aussen vor und vergleiche Deine Werte mit denen, die im suedlichen Barrierriff gemessen wurden (das sind Daten aus Furnas, M. (2003). Catchments and Corals. Erschienen am Australian Institute of Marine Science). Untersucht wurde kuestennahes Wasser, das im Vergleich zum mittleren und noerdlichen GBR einen deutlich hoeheren Naehrstoffgehalt aufweist.
Da wird folgender Wert fuer GEsamtstickstoff (NH4/NH3, Nitrit+Nitrat, geloester organischer + partikulaerer Stickstoff) angegeben, bzw. ich hab das alles zusammengerechnet:
121.6 ug/L N (soll heissen mycrogramm/L)
und fuer Phosphat+geloestes org. Phosphor + partikulaerer Phosphor
12 ug/L.
Verhaeltnis N : P = 10,1 : 1.
Jetzt bei Dir:
4.6 mg/L N : 0.02 mg/L P = 121.2 : 1
Dein Verhaeltnis ist also genau 12 Mal groesser.
Das ist bisher nur die Rechnerei, die aber schon mal beeindruckend ist.
Zur Auswertung.
Ein solches Ungleichgewicht kann durchaus zu einer Naehrstofflimitierung bezueglich Phosphor hinweisen. Wenn Stickstoff in rauhen Mengen vorhanden ist, dann werden die Algen, auch die Zooxanthellen, aus den Vollen schoepfen. So lange, bis was anderes fehlt, und das ist fast immer Phosphor. Eisen kann auch limitieren, denke aber, dass es in Deinem Falle eher am Phosphor liegt.
Ich selbst hatte mal eine heftige Phosphorlimitierung in einem Versuchsbecken. Und das sah folgendermassen aus:
Bei einer Stickstofflimitierung hoert das Wachstum von Algen und Korallen meistens auf, aber daran stirbt die Alge nicht unbedingt.
Phosphor ist aber elementar wichtig, weil es nicht nur in den sog. Energiewaehrungen der Zellen, z.B. Adenosin-Triphosphat (ATP), vorkommt, sondern auch in Phospholipiden und ganz besonders in der DNA und RNA, also in den Traegern des Erbguts.
Folglich kann ein Mangel an Phosphor durchaus lethal sein.
In meinem Falle sind die Korallen extrem hell geworden (hatte aber auch wenig Stickstoff drin, von daher muss das nix heissen, meistens bestimmt Stickstoff eine starke Braunfaerbung), und dann ist das Gewebe abgestorben, b.z.w die Korallen haben sich scheinbar selber aufgefressen, dass GEwebe war einfach weg. Also nicht nekrotisch.
Auf den Bildern, die Du gezeigt hast, da waechst eine Caulerpa racemosa sichtlich gluecklich vor sich hin. Von daher wuerde ich mir nicht so sicher sein, dass es an einer Phosphorlimitierung liegt. Es sei denn, auf den Steinen
ist noch Phosphat drin, wass sich die Algen "rauskratzen", wer weiss.
Wie genau sah es aus, als die Korallen gestorben sind, bzw. die eine lebt ja glaube ich noch, da sind ja noch Polypen sichtbar?
Zur Problembehebung dann spaeter, wenn Du geantwortest hast.