Hallo,
natürlich wurde über die Ballingmethode hier schon so oft diskutiert, dass es vielleicht ein alter Hut ist, aber nichts desto trotz ist es eine interessante Diskussion.
Ich selbst habe Calciumchlorid und Natriumhydrogencarbonat ohne das NaCl-freie Salz über 1,5 Jahre angewendet, und ich hatte nie Probleme damit. Wasserwechsel wollte ich eigentlich 5% wöchentlich machen, die Regel war aber 10% monatlich, wenn ich dran gedacht habe (nicht gerade vorbildlich, ich weiß...). Wie gesagt, Probleme hatte ich dadurch nicht. Das heißt aber nicht, dass das für jedes Aquarium gilt.
Also lieber jede Woche 5% wechseln, dann ist man auf der sicheren Seite.
Kalkwasser und Karbonathärte/Alkalinität:
Zitat: "Durch Kalkwasser erhöht sich die mit den Meßsets gemessene KH, aufgrund der OH-Ionen, und gleichzeitig verringern sich die "eigentlichen" ..karbonate."
Ist beides richtig, aber zwei paar Schuhe. Die erste Aussage bezieht sich auf die Messung an sich, die zweite auf das, was man mit Kalkwasser im Aquarium "anrichtet".
Die Karbonathärte ist definitionsgemäß etwas anderes als die Alkalinität, aber sie sind ineinander umwandelbar. Was wir mit den KH-Tests messen ist die Alkalinität!
Und zwar misst man mit den KH-Tests den Verbrauch von Carbonationen bei der Titration der Probe mit Salzsäure (HCl). Als Indikator dient ein Farbstoff, der seine Farbe pH-Abhängig ändert (Farbumschlag), kennt man ja.
Die im Meerwasser vorhandenen Karbonate werden durch die Titration mit Salzsäure zu Hydrogencarbonat und schliesslich durch die Ansäuerung in Kohlensäure (H2CO3) umgewandelt. Dadurch puffern sie aber die mit der Salzsäure eingebrachten Protonen ab, d.h. die pH-Änderung ist zuächst minimal und es erfolgt kein Farbumschlag.
Die Kohlensäure kann dann, wenn weiter HCl eingetropft wird, zurück zu Wasser und CO2 reagieren. Der Farbumschlag erfolgt dann, wenn in der Probe keine Carbonate und Hydrogencarbonate mehr vorliegen, die den pH-Wert abpuffern können.
Dann kommt es zum Farbumschlag. Das bis dahin verbrauchte Volumen an HCl kann dann in Alkalinität oder Karbonathärte umgerechnet werden. Eigentlich messen wir also die Alkalinität, was man auch als Säurebindungsvermögen bezeichnet.
Bei Zugabe von Kalkwasser steigt bei der Messung die Alkalinität deshalb an, weil durch den Eintrag von OH- Ionen mehr Salzsäure benötigt wird um die Carbonate in CO2 umzuwandeln. D.h. also nicht, dass dadurch mehr Karbonate in der Probe vorhanden sind, sondern nur, dass die Karbonate langsamer zu CO2 umgewandelt werden. Da wir mit den KH-Tests eigentlich die Alkalinität messen, hat der pH-Wert (den man mit Kalkwasser beeinflußt) demnach einen Einfluß auf das Messergebnis.
Das ist der Einfluß von Kalkwasser auf die Messmethode.
Im Aquarium selbst ist es aber nochmal anders, denn bei hohen pH-Werten steigt die Tendenz von Kohlensäure, bis zum Carbonat-Anion zu dissoziieren, was ja auch schon gesagt wurde. Calciumhydrogencarbonat ist in Meerwasser stabiler als Calciumcarbonat, d.h. wenn man Kalkwasser ins Wasser zutropft, dann kann schneller Calciumcarbonat ausfallen, wodurch sich natürlich auch die KH ändert. Denn wenn Carbonate aus dem Wasser entfernt werden, verringert sich auch die Säurebindungskapazität (Alkalinität), d.h. die aus der Alkalinitätsmessung resultierende Karbonathärte ist gesunken.
Das mit dem Kalkwasser und der KH-Messung ist also etwas komplizierter, aber wie gesagt, die zitierte Aussage stimmt so.
Ist ja eigentlich offtopic, weil es hier um die Balling-Methode geht. Allerdings finde ich nicht, dass die Methode kompliziert ist, weil
1) genau beschrieben ist, wieviel Salz von welcher Sorte man in wieviel Osmosewasser lösen und täglich zugeben muß, und
2) weil man sogar abgepackte Massen der Salze direkt kaufen kann.
Um Stoffmengen (mol) etc. kommt man also drumrum. Ich finde es ist gerade für einen Anfänger komplizierter einen Kalkreaktor richtig einzustellen als die Balling-Methode anzuwenden.