Hallo Johannes,
du hast nicht ganz Unrecht mit deinem Einwand, aber gar so hart würde ich
nicht urteilen. Es ist richtig, dass Versuche mit elementarem Eisen schon seit
Jahrzehnten in der Meerwasseraquaristik gemacht wurden, teilweise mit Erfolg
und teilweise mit bösen Folgen.
Die Erfolge beruhen auf der Bildung von schwerlöslichen Eisenphosphaten, die
dem Wasser Phosphat entziehen, die Misserfolge hauptsächlich auf Verunreini-
gungen des verwendeten Eisenmaterials zB durch Kupfer (ab einer bestimmten
Konzentration ist Cu eben kein notwendiges Spurenelement mehr, sondern
ein giftiges Schwermetall).
Bei Verwendung von hochreinem Eisen bleibt als größtes Risiko ein Fe-Überdün-
gung, über die sich ALLE Algen freuen, nicht nur die Zooxanthellen. Und natür-
lich sollte das Material so eingesetzt werden, dass sich die gebildeten Phosphate,
hauptsächlich Vivianit und Strengit, nicht im Becken ablagern können, da dies
einen "Zeitbombeneffekt" haben könnte. Mikroorganismen neigen nun mal
dazu, die Thermodynamik auf den Kopf zu stellen.
Diese Methode der Phosphatfällung wird übrigens auch schon seit Jahrzehnten erfolgreich
in der Abwasseraufbereitung eingesetzt.
Dass sich die scheinbar nah verwandte, aber chemisch doch recht differente Methode
der Eisenoxyhydrate (Rowaphos und Co) in jüngerer Zeit durchsetzt, hat auch klare
Gründe : Hier findet kein Fe-eintragender Lösungsprozess statt, sondern eine Chemadsorption
(Das ist auch der Grund, warum hier Silikate gebunden werden können, das hat nichts mit
irgendwelchen pKs-Werten der Kieselsäure zu tun).
Aber wie gesagt, wenn das Material rein genug ist, hat dieser Versuch allein schon wegen
der Eisenoxyhydratpreise, die in der Aquaristik verlangt werden, seine Berechtigung.
Gruß Armin