Beiträge von Armin Glaser

    Hallo Sascha,

    die Kombination aus Kohle und Phosphatadsorber überzeugt mich nicht. Allein schon weil ich die Kohle nicht in einem
    Wirbelbettreaktor betreiben würde. Und weil es Zufall wäre, wenn das Verhältnis Kohle/Adsorber genau den Bedürfnissen
    deines Aquariums entsprechen würde, individuelle Dosierung ist so nicht möglich.Außerdem sind Kombiprodukte meist teurer.

    Hallo Robert,

    um deine Frage beantworten zu können brauche ich noch folgende Angaben von dir:
    - Calciumgehalt des Aquariums
    - Calciumgehalt des Auslaufs des Kalkraktors
    - pH-Wert morgens und abends
    - womit misst du den pH?

    Hallo Sebastian,

    für deinen Fall gibt es mehrere Möglichkeiten:
    - 1°dH liegt möglicherweise im Bereich der Messungenauigkeit. Führe deine Messung mehrmals durch und prüfe,
    ob du diesen Wert immer erhältst.
    - Es könnten Carbonate im Gestein enthalten sein, die sich gelöst haben.
    - Es könnten sich organische Stoffe auf dem LG zersetzt haben, was ebenfalls die Alkalinität erhöhen kann.
    - Auch eine durch das LG verursachte Änderung des Stickstoffabbaus könnte die Ursache für einen leichten Alkalinitätsanstieg sein.

    Hallo Christiane,

    für die Tiere ist sowohl die Konzentration (entspricht Salinität bzw. Dichte) als auch die Zusammensetzung, als auch
    die Zusammensetzung, also das Verhältnis der einzelnen Inhaltsstoffe zueinander wichtig.

    Oder anders gesagt: du kannst deine Tiere sowohl mit einer falschen Salinität/Dichte als auch mit einer falschen
    Salzmischung umbringen.

    Die Verwendung einer Referenz ist eine gute Methode, die mögliche Fehler eines Refraks kompensieren kann.
    Dabei aber sicherstellen, dass sich die Referenz nicht verändert (Verdunstung in schlecht verschlossenem Gefäß!).
    Meine Empfehlung ist die gelegentliche Vergleichsmessung mit einem guten (=großen) Aräometer.

    Hallo Oliver,

    erst mal zur Beruhigung: Im Meerwasser der Korallenriffe sind bis zu 1 mg/l Silicat vorhanden.

    Deine Messung am Filterauslauf ist durch Erschöpfung des Materials erklärbar. Wenn es mit Silicat gesättigt ist,
    kann es dieses zum Teil wieder abgeben, z.B. indem es statt dessen Phosphat anlagert.

    Auf jeden Fall solltest du den Adsorber entfernen und entweder mit dem übrigem Silicat leben, worüber sich
    einige Beckeninsassen freuen würden, oder noch eine Menge weiteren Adsorber einsetzen.

    Hallo Christiane,

    Kochsalzlösung und Meerwasser sind 2 verschiedene Flüssigkeiten, die unterschiedliche optische Eigenschaften
    besitzen. Meersalz enthält ca. 80% Kochsalz, die restlichen 20% machen den Unterschied aus, der dem Meerwasser
    eine höhere Lichtbrechung gibt.

    Auf das namhaft würde ich mich nicht immer verlassen. Ich habe vor einiger Zeit einen namhaften Refraktometerhersteller
    wegen diesem Thema angeschrieben, dieser behauptete glatt, es gäbe keinen Unterschied zwischen Meersalz und Kochsalz.
    Da hatte wohl jemand das kleine 1 x 1 der Optik nicht gelernt...

    Hallo Christiane,

    das meiste hast du dir ja schon selbst erklären können. Richtig, das Refraktometer zeigt, solange die Temperatur
    der Probe bzw. des Refraks zwischen 10 -30°C liegt, immer den gleichen Salinitätswert an.
    Es zeigt übrigens auf der anderen Skala nicht die Dichte an, sondern eine relative Dichte, das ist ein großer Unterschied!
    Deshalb nur die Salinitätsangabe verwenden. Diese Angabe ist bei manchen Refraks aber um ca. 1,5 zu hoch,
    da sie nicht für Meersalz- sondern für Kochsalzlösung konstruiert sind. Daher musst du es zuerst mit einem guten
    Aräometer vergleichen, sonst kann es dir wie Mario gehen.

    Hallo Jürgen,

    wenn du die nötige Vorsicht walten lässt (Tiere beim Zeolitheinsatz genau beobachten) würde ich es versuchen.
    Lass dir aber vorher bestätigen, dass die Analyse wirklich von dem verkauften Material stammt.

    Hallo Jürgen,

    ich bin eigentlich kein großer Freund von ebay-Experimenten in der Aquaristik, aber wenn die Analyse wirklich zu
    der verkauften Ware gehört, dann scheint der Zeolith geeignet zu sein und wäre außerdem wesentlich besser dokumentiert
    als es in der Aquaristik üblich ist.

    Hallo Michael,

    da stellt sich erstmal die Frage, WELCHER Balling macht braun. Es werden soviele verschiedene Methoden als
    Ballingmethode bezeichnet, dass allein deswegen schon Verwirrung herrscht.

    Christians Vermutung ist wahrscheinlich richtig, dass es Erfahrungen gibt, dass es durch die Dosierung von
    Spurenelementen in manchen Fällen zu einer Braunfärbung kommt.

    Aber auch wenn du nur Calciumchlorid, Natriumhydrogencarbonat und natriumchloridfreies Salz zugibst, also die
    eigentliche Ballingmethode verwendest, ist der Anteil an Spurenelementen nicht unerheblich. Das liegt einerseits
    am Zusätzen im NaCl-freien Salz, andererseits an Verunreinigungen im Calciumchlorid und im Natriumhydrogencarbonat.

    Das sind aber alles Effekte, die auch bei Verwendung von normalen Meersalzmischungen auftreten können.
    Insofern ist die Aussage "Balling macht braun" so unkonkret wie "Meersalz macht braun".

    Hallo Dirk,

    von den Ballingsalzen solltest du im Augenblick nur das Natron für eine leichte KH-Erhöhung einsetzen.
    Eine Calciumchloridzugabe ist bei deinem hohen Ca-Wert nicht sinnvoll und auch das NaCl-freie Salz kannst du im
    Augenblick noch weglassen.

    Wenn du allerdings Balling als Ersatz für deinen Kalkreaktor einsetzen willst, musst du alle 3 Komponenten einsetzen.
    Wahrscheinlich wirst du dann aber verhältnismäßig mehr Natron als Calciumchlorid verbrauchen.

    Hallo Christian,

    bei einer sinnvollen Anionen-/Kationenaustauscherkombination sollte der pH am Ausgang um die 7 liegen.
    Dein hoher pH bedeutet, dass entweder der Kationenaustauscher erschöpft ist, oder dass du einen ungeeigneten
    Kationenaustauscher verwendest, der nicht H+ sondern Na+-beladen ist.

    Hallo Dirk,

    der richtige Messwert ist der, bei dem der Farbumschlag nach blau komplett erfolgt ist, in deinem Fall also die 18 Tropfen.
    Beachten musst du dabei aber, dass die Probe mindestens 25°C warm sein sollte, sonst kommt der Farbumschlag zu spät.

    Deine Werte sind folglich, wie du richtig errechnet hast, 468 mg/l Calcium und 1553 mg/l Magnesium.

    Das sind keine ungewöhnlichen Werte bei der Zugabe von Magnesium über den Kalkreaktor. Ich würde den Magesiumanteil
    auf jeden Fall reduzieren oder am besten das Magnesium ganz weglassen.

    Hallo Andi,

    du solltest von der Kalibrierlösung immer eine kleine Menge in ein sauberes Gefäß geben und die Elektrode dort
    hineinstellen. Die verwendete Menge schüttest du hinterher weg. Auf der Kalibrierlösung ist ein Mindesthaltbarkeits-
    datum angegeben, das du aber ruhig um einige Monate überziehen kannst.

    Wenn du die Elektrode direkt in die Kalibrierlösung gesteckt hast, kann es sein, dass diese verunreinigt wurde
    und ihren Wert etwas verändert hat. Wenn nicht allzu viel Dreck (z.B. Kalk) an der Elektrode war, sollte es für eine
    einigermaßen genaue Kalibrierung aber noch ausreichen.

    Hallo Dirk,

    klar darfst du nachhaken : =)

    - richtig, um die Calciumkonzentration auszurechnen multiplizierst du bei der Verdünnung 1:5 die Anzahl der Tropfen mit 26
    - genau, bei Calcium sind die mmol/l ca. ein 40stel der mg/l (denn Calcium hat das Atomgewicht 40,08 )
    - die Verdünnungen sind in die Faktoren eingerechnet:
    ---- 1 Tropfen beim Calcium sind bei Verdünnung 1:5 26 mg/l (= 0,65 mmol/l). Ohne Verdünnung wären es 5,2 mg/l (=0,13 mmol/l).
    ---- 1 Tropfen bei der GH sind bei Verdünnung 1:30 5,4 mmol/l. Ohne Verdünnung wären es 0,18 mmol/l.

    Durch die Verdünnung ist der Mg-Test über die GH nicht mehr allzu genau, denn ein Tropfen entspricht etwa 130 mg/l Mg.
    Ohne Verdünnung wären es 4,375 mg/l. Aber dann würdest du bei jeder GH-Messung ca. 350 Tropfen verbrauchen.

    Man muss eben einen Kompromiss zwischen Genauigkeit und Praxistauglichkeit/Aufwand finden.

    Hallo Stratus,

    Feridun hat alles gesagt, was zu tun ist:
    Mehr Fütterung bedeutet mehr Nährstoffeintrag und damit mehr NO3 und PO4. Das PO4 kannst du durch Optimierung
    des Adsorbereinsatzes verringern, wenn du es für nötig erachtest. Und dabei ist ein Wirbelbettfilter am effektivsten.

    Hallo Dirk,

    die Macherey-Nagel Ca und GH Tests sind sehr genau, zu genau für die normalen Ansprüche in der Meerwasseraquaristik.
    Unverdünnt brauchst du ca. 80 Tropfen für die Ca-Messung und ca. 350 Tropfen bei der GH.
    Daher gibt M-N für Meerwasser eine 1:5 Verdünnung beim Ca und eine 1:30 bei der GH an. Das sind übrigens
    1 ml Meerwasser + 4(!) ml destilliertes Wasser bzw. 1 + 29. Dann entspricht 1 Tropfen beim Ca-Test 26 mg/l
    (= 0,65 mmol/l) und 1 Tropfen bei der GH-Messung 5,4 mmol/l.

    Die Formel bleibt die selbe: [Gesamthärte in mmol/l – Calciumhärte in mmol/l] x 24,3 = mg/l Mg2+

    Am besten ein Beispiel:

    - du nimmst 1 ml Meerwasser, verdünnst mit 4 ml destilliertem Wasser. Dann gibst du 6 Tropfen Ca-1 dazu und
    verbrauchst z.B. 16 Tropfen Ca-2. Das wären dann 416 mg/l (=10,4 mmol/l) Calcium im Meerwasser.
    - dann nimmst du wieder 1 ml Meerwasser und verdünnst mit 29 ml destilliertem Wasser. Wenn du jetzt 12 Tropfen
    GH-2 verbrauchst, dann hast du ((12 * 5,4) - 10,4) x 24,3 = 1321,92 mg/l Magnesium im Meerwasser.

    Hallo Dirk,

    das ist richtig, so arbeiten die meisten Mg-Tests auch. Gesamthärte = Mg + Ca.

    Die Umrechnung findest du in der Bedienungsanleitung vom GH-Test:
    Mit den Testbestecken VISOCOLOR® ECO Gesamthärte und VISOCOLOR ® ECO Calcium (Art.-Nr. 931 012) kann
    auch der Magnesiumgehalt ermittelt werden:
    [Gesamthärte in mmol/l – Calciumhärte in mmol/l] x 24,3 = mg/l Mg2+

    Dazu musst du wissen, das beim Ca-Test 1 Tropfen 0,13 mmol/l Ca sind, beim GH-Test ist ein Tropfen 0,18 mmol/l GH.

    Das sieht auf den ersten Blick ein bisschen umständlich aus, lässt sich aber ganz leicht mit einer Excel-Tabelle vereinfachen.

    Hallo Wiki,

    das sind sehr gewagte Theorien, die du da schreibst!

    - Die Empfehlung, Bakterienwachstum bei einer möglichen Nährstofflimitierung zu fördern, kann zum Verhungern
    der Korallen führen, da die Bakterien das letzte vorhandene Phosphat und den letzten gebundenen Stickstoff
    verbrauchen können.

    - ein Ca-Wert von 300-350 hemmt ebenso das Korallenwachstum wie eine zu niedrige KH. Kalk wird von den
    Korallen aus Calcium UND KH gebildet, eine zu niedrige KH VERHINDERT den Einbau von Calcium ins Korallenskelett.

    - Magnesium wird überhaupt nicht in Korallenskelette eingebaut.

    - Die Zugabe von Kalkwasser abends nach Beleuchtungsende ist der ungünstigte Zeitpunkt überhaupt! Kalkwasser
    erhöht den pH und sollte deshalb nicht zum Zeitpunkt des HÖCHSTEN pH (=abends) sondern beim NIEDRIGSTEN
    pH (=morgens) eingesetzt werden.

    - Weder Ethanol noch Essigsäure enthalten irgendwelche Zuckermoleküle.

    Ich befürchte, dass mit solchen wenig fundierten Aussagen sehr viel Verwirrung bei anderen Aquarianer erzeugt werden kann.

    Hallo Sebastian,

    die Aussage "Wenn Ca in Ordnung und KH zu niedrig dann Dosierung verringern und nach dem Absinken des
    Ca-Wertes Calciumchlorid zugeben" gilt allgemein für alle Calcium/KH-Zugabemethoden, auch für Kalkreaktoren
    und andere Methoden, bei denen sich die Werte nicht unabhängig voneinander steuern lassen.

    Bei der Ballingmethode kannst du in diesem Fall natürlich einfach die Natriumhydrogencarbonatzugabe verringern.
    Die Zugabe des NaCl-freien Salzes solltest du dann ebenfalls entsprechend verringern:
    z.B: bei Halbierung der ursprünglichen NaHCO3-Menge und weiterhin ganzer CaCl2-Menge ergibt sich für das
    NaCl-freie Salz folglich drei Viertel der ursprünglichen Menge.

    Hallo Dirk,

    das von dir verwendete Zitat vereinfacht die Vorgänge stark. Natürlich nimmt die Adsorptionswirkung von Aktivkohle
    mit der Zeit ab und dafür die biologische Filterwirkung allmählich zu.
    Aber eine Pauschalaussage zu machen wie "hält nur x Stunden" berücksichtigt weder die Zusammensetzung der adsorbierbaren
    Stoffe, die sich in 2 unterschiedlichen Aquarien ERHEBLICH unterscheiden kann, noch werden Diffusionseffekte, die
    der Kohle ein "zweites Leben" ermöglichen können, dabei berücksichtigt.

    Als katalytischer Ozonneutralisator nach dem Abschäumer geschaltet oder zur Chlorreduktion im Vorfilter der
    Umkehrosmose hält Aktivkohle beispielsweise monatelang.

    Hallo Ralf,

    deine Überlegung ist richtig, denn das verwendete Calciumchlorid enthält nicht nur Calciumchlorid sondern Verunreinigungen,
    die man wohlwollend als Spurenelemente bezeichnen kann. Da deren Zusammensetzung und Konzentration
    je nach Hersteller bzw. Produktionsprozess unterschiedlich ist, können sich in der Praxis sichtbare Unterschiede ergeben.

    Hallo zusammen,

    schön, dass die Diskussion so lebendig bleibt!

    Zunächst zu der Frage von Asko, warum Fische im Meer so wenig Probleme mit Stickstoffübersättigung haben:
    Eine Übersättigung kann nur in den obersten Wasserschichten stattfinden. Dies kann, wie du richtig beschrieben hast,
    z.B. durch eine Welle geschehen. Wenn ein Fisch damit ein Problem hat, taucht er einfach 1-2 Meter runter, dort
    lösen sich 10-20% mehr Stickstoff und die Sache ist erledigt. Aber versuche mal im Aquarium 2 Meter tief zu tauchen...

    Robert: Die Berichte über Schädigungen in Fischzuchten und in der Nähe von Wasserkraftanlagen sind eindeutig belegt.
    Nur gibt es noch keinen Beleg dafür, dass wir dieses Problem auch im Aquarium haben. Und solange bleibe ich optimistisch.
    Trotzdem haben wir uns, auch auf Grund deiner Diskussionsanregung, im Naturkundemuseum überlegt, bei den
    empfindlichen Seepferdchen- und Seenadelnachzuchten Vorsichtsmaßnahmen gegen eine mögliche Übersättigung zu treffen.

    Zu dem Zusammenhang Stickstofffixierung/Stickstoffübersättigung kann ich mich nur wiederholen: Ob das
    N2-Angebot die Nachfrage um das 1000-fache oder um das 1100-fache übersteigt ist den N2-Fixierern egal.

    Und zum Thema Nährstoffe: Ich bin völlig mit dir einer Meinung, dass wir die Nährstoffphobie nicht zu weit
    treiben sollten, da die Gefahr besteht, dass u.a. die Zooxanthellen verhungern. Allerdings unabhängig von Redfield.

    micha: Ich bin wie Robert sehr skeptisch gegenüber der Aussagekraft dieser Messungen. Eine Gassättigung
    sollte grundsätzlich in situ, das heißt direkt im Aquarium, und nicht in einer Probe gemessen werden.
    Nach welcher Methode wurde der N2-Gehalt der Probe gemessen?

    Die Gasblasenkrankheit hat übrigens nichts mit fehlendem Sauerstoff zu tun. Ganz im Gegenteil, dieser ist beim
    Auftreten dieser Krankheit ebenfalls höher als normal.

    Hallo Asko,

    ganz so einfach wie man sie sich wünscht, ist die Welt leider nicht. :grinning_squinting_face:

    Gläubig kann man Wissenschaft gegenüber nur sein, wenn man sich nicht intensiv genug damit beschäftigt,
    ansonsten hat wirkliche Wissenschaft den Vorteil, dass ihre Ergebnisse exakt beschrieben und daher jederzeit
    reproduzierbar sind.

    Du könntest, was ich dir allerdings nicht raten will, die Wirkung des inerten Gases N2 ganz einfach an dir selbst testen,
    indem du ohne Dekompressionsstopps aus 30 Meter Wassertiefe auftauchst. Es würden sich Gasblasen, die hauptsächlich
    aus N2 bestünden, in deinem Körper bilden und du gerietest in Lebensgefahr. Den gleichen Effekt können Fische
    erleiden, wenn sie in Wasser schwimmen, in dem mehr N2 gelöst ist, als in dem Wasser, das sich in ihrem Körper befindet.

    Dutzende von Studien und dokumentierten Erfahrungen aus Fischzuchtanstalten zählen für mich persönlich mehr
    als ein einfaches "da glaub ich nicht dran".

    Die Bedingungen, unter denen Gasübersättigung und damit die Gefahr von Gasblasenkrankheit entstehen können,
    sind ebenfalls gut dokumentiert. Eine dieser Bedingungen, die in Aquarien möglich ist, ist das Ansaugen von Luft in Pumpen.

    Ich gehe bisher davon aus, dass in einem Abschäumer und der nachfolgenden Filterkammer eine eventuelle Übersättigung
    wieder ausgeglichen wird und das Thema deshalb im Meerwasseraquarien normalerweise nicht relevant ist.

    Aber allzu einfach sollten wir es uns bei solchen Fragen trotzdem nicht machen.


    PS: Ich wusste bisher noch nicht, dass so viele Forellen in Meerwasseraquarien rumschwimmen =)

    Hallo Jim,

    so wie du das beschreibst, können aus dem Styropor giftige Abbauprodukte entstehen, die du lieber nicht im
    Aquarium haben willst!

    Die Idee mit den Styroporkügelchen ist schon machbar, aber nur wenn du das Ganze sehr heiß und sehr lange
    erhitzt, bis das komplette Styropor vollständig zu CO2 verbrannt ist. Einfach mal mit dem Gasbrenner drüber
    reicht da nicht.

    Hallo Michael,

    die Forelle ist ein fieses Beispiel :winking_face: , die braucht wirklich viel Sauerstoff.

    Aber zum Glück hält niemand Forellen in einem Meerwasseraquarium. Die hätten nämlich, neben dem Salzgehalt,
    das Problem, dass sich in Meerwasser weniger Sauerstoff löst als in Süßwasser, bei 25°C sind es 8,5 zu 6,9 mg/l.
    Ein Partialdruck von 80 mm Hg bedeutet daher im Süßwasser 4,25 mg/l O2, im Meerwasser 3,45 mg/l. Also
    weit unter den 5 mg/l, von denen wir gesprochen haben.

    In Untersuchungen haben sich übrigens Hummerlarven als am empfindlichsten gegenüber Sauerstoffmangel gezeigt,
    10% starben bei 4,1 mg/l. Alle anderen Wirbellosen und Fische waren deutlich unempfindlicher.

    Aber ich glaube das anschaulichste Argument ist folgendes: Im Meer ist nur die oberste Wasserschicht sauerstoffgesättigt.
    Die Sauerstoffkonzentration nimmt mit zunehmender Tiefe sehr schnell ab. Aber Fische schwimmen da trotzdem rum.

    Zum Stickstoff: Das ist alles völlig richtig, was Herr Schreckenbach schreibt, er ist schließlich einer einer der führenden
    Wissenschaftler in diesem Bereich. Dass Stickstoffübersättigung Fische (und übrigens auch Wirbellose ) schädigen
    kann, ist eine Tatsache. Aber Herr Schreckenbach erklärt auch genau, wann es zur Stickstoffübersättigung
    kommen kann: "..durch das Pumpen von Wasser unter erhöhtem Druck(hier muss man übrigens hinzufügen,
    dass zusätzlich Luft auf der Ansaugseite angezogen werden muss), das Erwärmen von Wasser..das Mischen
    von Wasser verschiedener Temperaturen oder die biologische Freisetzung von N2 aus Nitraten bei bakterieller
    Denitrifikation". Und eben nicht durch das einfache Einleiten von Luft.

    Hallo Michael,

    ich will nicht den Eindruck erwecken, dass ich dir grundsätzlich immer widerspreche, denn ich finde die Diskussion,
    die du angeregt hast, äußerst spannend. Durch deine Anregung habe ich mich in den letzten Tagen mehr in das
    Thema Gasübersättigung eingearbeitet und habe dazu noch einige interessante Untersuchungen vor.

    Trotzdem muss ich wieder ein paar Dinge korrigieren:

    - 5 mg/l O2-Gehalt, das sind 70% Sauerstoffsättigung, lassen Fische nicht ums Überleben pumpen. Entscheidend
    ist die Sauerstoffsättigung im Blut der Fische und die ist abhängig von der Sauerstoffaffinität des Hämoglobins
    der Tiere, die wiederum artspezifisch ist. Manche Fische haben noch bei 20% Sauerstoffsättigung im Wasser
    100% Sauerstoffsättigung im Blut. Physiologische Prozesse lassen sich meistens nicht mit so einfachen Modellen
    wie z.B. Konzentrationsgefälle ausreichend beschreiben.

    - In deinem Beispiel, wo Meerwasser 16 mg/l N2 enthält und mit Luft, die 80% N2 enthält, vermischt wird, ist
    der N2-Gehalt auch hinterher genau 16 mg/l. Denn diese 16 mg/l sind der Gleichgewichtswert für Meerwasser,
    der sich einstellt, wenn sich über dem Wasser Luft mit normalem Atmosphärendruck und 80 (genauer gesagt 78 ) % N2
    befindet. Erhöhen kann sich dieser Wert nur, wenn der Wasserdruck erhöht wird oder der Luft keine Gelegenheit
    gegeben wird, das Wasser zu verlassen.

    - Und nochmal: Den Stickstofffixierern, die es gewohnt sind mit wenigen Mikrogramm Ammonium oder Nitrat
    auszukommen, ist es piepegal ob sie ihren Bedarf aus 16 oder 20 oder 10 mg/l N2 decken müssen. Sie brauchen
    nur einen winzigen Teil davon.

    Hallo Robert,

    du stellst interessante Überlegungen an, solltest dabei aber auch ein paar zusätzliche Dinge beachten:

    - ob ein Gas, z.B. Stickstoff ein- oder ausgetragen wird hängt nicht von der eingeblasenen Luftmenge, sondern
    vom Partialdruck des Gases im Wasser und in der Atmosphäre ab. Das heißt, wenn das Wasser bezüglich Stickstoff
    übersättigt ist, wird bei Belüftung Stickstoff entfernt, wenn es untersättigt ist, wird Stickstoff ausgetragen.

    - Richtig ist, dass durch die Abschäumerpumpen Luft und Wasser unter Druck vermischt werden, was die vom Wasser
    aufgenommene Luft/Stickstoffmenge erhöht, wodurch eine Übersättigung erreicht werden kann. Diese muss durch
    den Abschäumer oder den Überlauf von der ersten in die zweite Filterkammer ausgeglichen werden (für ganz Vorsichtige
    empfiehlt sich hier sogar ein Rieselfilter o.ä.)

    - Den Cyanobakterien ist es herzlich egal, ob sie 10 oder 13 mg/l Stickstoff zur Verfügung haben. Wenn sie eine
    andere Stickstoffquelle finden, nehmen sie lieber diese, wenn nicht, mühen sie sich eben mit einem geringen Teil
    des vorhandenen elementaren Stickstoffs ab. Übrigens: Nicht alle Cyanos können N2 verwerten!

    - Dass Cyanos auf Maßnahmen wie Abschäumer ausschalten mit Wachstum reagieren können, hat einen einfachen
    Grund: Man verändert das Klima im Becken, alle müssen sich umstellen, die größten Überlebenskünstler können das
    am besten. Und das sind meistens die Cyanos.

    - Das Redfield-Verhältnis gibt das N/P-Durchschnittsverhältnis in marinem Phytoplankton an. Marines Phytoplankton
    haben wir meist keines im Aquarium. Andere Organismen haben andere N/P-Verhältnisse.

    Die Diskussion bleibt weiterhin spannend.

    Hallo Robert,

    in deiner Überlegung bezüglich des Stickstoffs steckt ein Fehler:
    Meerwasseraquarien sind grundsätzlich stickstoffgesättigt bzw. -übersättigt, da die Hauptsenke für Stickstoff die
    Denitrifikation ist, wogegen die Stickstofffixierung eine untergeordnete Rolle spielt. Das bedeutet, es wird viel
    elementarer Stickstoff im Wasser produziert und nur wenig verbraucht. Somit ENTFERNEN Gasaustauschsysteme
    wie z.B. der Abschäumer gasförmigen Stickstoff aus dem Wasser.