Beiträge von Armin Glaser

    Hallo Udi,

    ganz ohne Nahrung, d.h. PO4 = 0,0 und 0 NO3 = 0,0 kommt keine Koralle aus, daher muss man manchmal etwas "nachfüttern".

    Außerdem gibt es neben der Nährstoffarmut-Philosophie auch die Nährstoffreichtum-Philosophie in der Riffaquaristik:
    Korallen können sich durchaus auch an 1 mg PO4 und 10 mg NO3 gewöhnen. Sie sind dann nicht immer so bunt
    wie die "Hungerleider", da sich mehr Zooxanthellen bilden. Dafür lässt sich ein solches System leichter stabil halten.

    Hallo Stefan,

    Kalkis oder andere meerwassergefüllte Behälter wochenlang ohne Sauerstoffkontakt stehen zu lassen birgt immer
    das Risiko von Schwefelwasserstoffbildung. Daher bei der Wiederinbetriebnahme erst den gesamten Wasserinhalt
    in den Ausguss schütten, etwas nachspülen bis es wieder gut riecht und dann erst ins Aquarium leiten.

    Gerald: Was hast du zuerst als Substrat verwendet? Was waren da noch für "Leichen" drin?

    Hallo zusammen,

    LEDs sind ein heißes Thema, das merkt man auch bei dieser Diskussion :winking_face:

    Rainer hat vollkommen recht, alle LEDs mit 6000 K haben das gleiche Lichtspektrum. Das kommt daher, dass
    die weiße LED eigentlich blau ist (ca. 450 nm) und durch Leuchtstoffe ein Spektrum von ca. 480 bis 750 nm dazugefügt wird.

    Aber kaltweiße LEDs haben nicht immer 6500 K, sonder sie können 4500 bis 10000 K haben. In der Meerwasseraquaristik
    werden, zumindest von den besseren Hestellern, selektierte LEDs mit 8000 bis 10000 K verwendet.
    Zusätzlich werden blaue LEDs eingesetzt, das ergibt dann die Kelvinzahlen über 10000.

    @Stefan: Ich würde dir empfehlen, je nach Geschmack noch 5-10 W blaue LEDs dazuzunehmen.

    Hallo Stefan,

    ich kann dir mit gutem Gewissen keinen Cu-Test empfehlen, der ohne Photometer funktioniert.
    Da es aber um eine Leitungswasseruntersuchung geht, kannst du eine Probe zum nächstgelegenen Labor
    in deiner Gegend bringen und dort untersuchen lassen. Das kostet nicht die Welt.

    Hallo zusammen,

    Aluminium bildet auch im Meerwasser eine Oxidschicht, die es relativ beständig macht.
    Eine Aluminium-Kupferlegierung (erkennbar an der mit 2 beginnenden Legierungsbezeichnung) würde ich trotzdem
    auf keinen Fall im Aquarium verwenden.

    Da es glaubhafte Berichte gibt, dass Korallen vereinzelt sensibel auf Aluminiumoxid reagiert haben, kann das es
    vielleicht auch bei der Verwendung von Aluminiumblech im Aquarium zum Schließen von Polypen kommen.
    Das scheint aber selten zu sein und ist ein überschaubarer Effekt, keine Katastrophe.

    Hallo Manfred,

    glaube bitte nicht unbesehen alles, was man dir erzählt.

    Und überlege dir bitte, dass man in Foren nicht einfach alles als "Wahrheit" veröffentlichen sollte, was man nicht
    genau weiß. Eine Frage wäre in solch einem Fall angemessener. Sonst schafft man allzu leicht die Grundlage für
    ein weiteres Aquarianermärchen. Und von denen haben wir schon mehr als genug.

    Die von mir bisher überprüften Referenzlösungen für die Aquaristik waren meist ausreichend genau. Jedenfalls viel
    genauer als die Tests, die in der Aquaristik verwendet werden. Und damit erfüllen sie 100% ihren Zweck.

    Die Ausnahme, die mir einmal begegnet ist, war nicht duch Öffnen oder Temperatur ungenau, sondern einfach falsch produziert.

    Referenzlösungen sind einfache Salzlösungen, keine mysteriösen Flaschen, in denen ein Geist steckt, der beim Öffnen entweichen kann.
    Die Lösungen verändern sich nicht durch das Öffnen der Flasche. Die Werte können nur
    allmählich ansteigen, wenn die Flasche LANGE offen herumsteht und ein Teil des Wassers verdunstet.
    Eine Ausnahme können höchstens niedrig konzentrierte Phosphat- oder Nitratreferenzen sein, da sich dort Bakterien
    entwickeln können, die PO4/NO3 verbrauchen und damit die Werte verringern. Aber auch das passiert nicht
    im Handumdrehen nach dem Öffnen der Flasche. Außerdem werden diese Referenzen normalerweise stabilisiert.

    Hallo Manfred,

    bei welcher Temperatur hast du die Dichte gemessen? (Dichteangaben ohne Temperaturangabe sagen nichts aus)
    Messe mal frisch angesetztes Wasser der Salinität 35 (= Dichte 1,0233 bei 25°C). Es sollte bei deinem Salz
    ein Magnesiumgehalt von etwa 1250 mg/l herauskommen.

    Aber wie schon gesagt, bedenklich ist dein Wert nicht.

    Hallo Dirk,

    die große Abweichung zwischen FaunaMarin und Gilbers wundert mich, da ich weiß, dass der FaunaMarin sehr
    präzise ist und da ich davon ausgehe, dass der Gilbers ähnlich genau ist.

    Kann es sein, dass dir bei der Anwendung ein Fehler unterlaufen ist? Wie oft hast du mit jedem Test gemessen?
    Wie groß waren deine Schwankungen mit dem gleichen Test? Hast du einen KH-Standard gemessen?

    Hallo Enrico,

    Zeolith entzieht dem Wasser zunächst Ammonium und verhindert damit die Bildung von Nitrat. Nach kurzer Zeit siedeln
    sich Bakterien auf dem Zeolith an, die Ammonium, Nitrat und Phosphat binden.

    Mengen und Durchflussgeschwindigkeiten wirst du individuell für dein Aquarium herausfinden müssen. Daher wirst
    du am Anfang oft Nitrat und Phosphat messen müssen, um zu erkennen, ob du an diesen beiden Parametern noch
    etwas ändern musst. Ich würde mich nicht auf starre Zahlenangaben verlassen, denn jedes Becken ist individuell.

    Zur Kohle: Filtersack und Wirbelbett sind 2 Extreme. Im Sack, der nicht zwangsdurchströmt ist, passiert nicht viel.
    Im Wirbelbett würde Kohle extrem schnell arbeiten, ich sehe aber keinen Vorteil gegenüber anderen zwangsdurchströmten
    Anwendungen. Nur den Nachteil des hohen Abriebs.

    Ich selbst bin kein großer Freund von Dauerkohlefilterung. Deshalb würde ich den Sack vorziehen. Oder ganz darauf verzichten.

    Hallo Tino,

    das ist echt eine krasse Brühe, die da aus eurem Wasserhahn kommt! 21 mg/l SiO2, so viel habe ich noch nie gesehen.
    Ich dachte immer, die 11,5 mg/l, die wir in Karlsruhe haben, sind die Obergrenze.

    Dann ist natürlich klar, dass du nach der UO noch 0,5 - 1 mg/l SiO2 hast, bei einer Si-Rückhalterate von 95 - 98%.
    Eine echte Herausforderung für die UO und den Ionenaustauscher. Aber bis 0,5 mg/l Silicat sind normalerweise kein Problem im Aquarium.

    Hallo Tino,

    Silicat ist zwar ziemlich fies zu Ionenaustauschern, da es bei Erschöpfung des Austauschers als erstes "durchschlüpft",
    trotzdem kommen mir deine gemessenen Werte sehr hoch vor. Wie viel Silicat hast du in deinem Leitungswasser?
    Am besten mal eine Probe mit dem silicatfreien Wasser verdünnen und dann messen.

    Eigentlich sollte deine UO 95% des Silicats rausholen. Und das MB20 den Rest. Außer wenn es erschöpft ist.

    Hallo Toni,

    damit beurteilt werden kann, wie problematisch dein PO4-Wert ist, müsstest du uns deinen früheren PO4-Wert mitteilen.
    Wie viel PO4 sind deine Korallen gewohnt?

    Was hat sich vor 8 Wochen geändert? Irgendetwas muss den PO4-Anstieg doch ausgelöst haben.

    PO4-Adsorber arbeitet am effektivsten in einem Fließbettfilter. Das heißt, dass das Granulat nicht verwirbelt wird
    (= viel Abrieb), sondern langsam fließt, um Kanalbildung zu vermeiden. Aber Vorsicht, schnelle PO4-Absenkung
    kann genauso gefährlich sein wie schneller PO4-Anstieg!

    Hallo zusammen,

    dass ich auf bestimmte Beiträge nicht eingehe, da die Antwort eher in ein Psychologie- als in ein Meerwasserforum gehört,
    werden sicherlich alle verstehen.

    Doch zurück zum eigentlichen Thema:

    Rückschlüsse aus dem Fressverhalten der Fische zu ziehen, finde ich schwierig:
    Alle, die Doktorfische halten, machen täglich die Erfahrung, dass diese sich begeistert auf Futter stürzen, das weit
    von dem entfernt ist, was sie in der Natur fressen. Tierisches Frost- und Trockenfutter sticht meist jedes Grünzeug aus.

    Bei Versuchen mit verschiedenen Algenarten, mehreren Salatsorten, Spinat und Löwenzahn beobachte ich vor allem ein Muster:
    gefressen wird am liebsten das, an das die Fische gewöhnt sind. Gab es 14 Tage Kopfsalat, dann wird Spinat
    am ersten Tag beleidigt ignoriert. Umgekehrt kann das Gleiche nach 7 Tagen Spinat dann mit Kopfsalat passieren.

    Eine besondere Auswahllogik kann ich von diesem Fressverhalten nicht ableiten. Eher dass herbivore Fische
    1. gefräßig und 2. ziemlich spießig sind.

    Hallo Tino,

    der Red Sea Silicattest hat sich bei meinen Untersuchungen als der beste aquaristische Test erwiesen.
    Das passt auch zu deinem Versuch mit der Referenzlösung. Dein destilliertes Wasser enthält wohl wirklich SiO2.

    Mit dem Salifert Silicattest hatte ich ähnliche Probleme.

    Hallo Thomas,

    du hast recht, im Grunde ist es ein fauler Kompromiss. Wie so vieles in der Aquaristik.

    Die Alternative wäre, Doktorfische nur noch in Artenbecken zu halten, in denen ausschließlich Algen gefüttert werden.
    Oder ihnen beizubringen, den anderen Fischen nicht das tierische Futter wegzufressen. Aber versuch' das mal =)

    Claudia: Du hast vollkommen recht, wenn du sagst, dass das schon immer klar war. Ich wage nicht zu beurteilen,
    wie viel von der Pflanzennahrung tatsächlich verwertet wird. Ein paar Vitamine und möglicherweise einiges mehr wird
    es schon sein.

    Ursprünglich wollte ich ja auch nur bekanntgeben, was sich aus der Auswertung einer langjährigen Beobachtung
    ergeben hat: dass vorwiegend herbivore Fische ohne Algennahrung auskommen können.
    Dass das als Blasphemie gewertet werden könnte, hatte ich dabei nicht bedacht. :winking_face:

    Hallo Ingrid,

    doch! Denn KH ist gar nicht KH (Carbonathärte), sondern Alkalinität. Nur diese wird vom KH-Test erfasst.

    Im Übrigen entsteht durch den pH-Anstieg ein CO2-Defizit, das bei Gelegenheit (im Abschäumer oder an der
    Wasseroberfläche) wieder ausgeglichen wird. Dann wird aus dem CO2 der Umgebungsluft und den im Wasser
    vorhandenen Hydroxid-Ionen Carbonat gebildet.

    Da gibt es übrigens ein gutes Buch, in dem das alles beschrieben ist... :grinning_squinting_face:

    Hallo Hans-Werner,

    was machen die Fische im Vivarium bloß falsch? Was haben sie für Probleme, die sie jahrzehntelang so geschickt
    selbst vor ausgewiesenen Experten wie Hannes Kirchhauser (der mehr Ahnung von Fischen hat als wir beide zusammen)
    verstecken können? Neurosen? Burn-Out -Syndrom? Weltschmerz? Oder kommen wir da doch allmählich in den Bereich der Esoterik?

    Ich sehe jedenfalls keinen Grund, kerngesunde Fische umzubringen und zu sezieren, bloß weil ich ihnen unterstelle,
    sie würden ihre Probleme zu gut vor mir verstecken.

    Doch zurück zur ernsthaften Diskussion:

    Ich habe mir nochmal die von dir und Rainer genannten Quellen angeschaut und langsam gefällt mir meine
    Ballaststoff-(oder Low-Energy-)Hypothese immer besser. Ein Zebrasoma xanthurum zum Beispiel scheint in der
    Natur fast zu 100% Algen zu fressen. Andererseits verschmäht er wohl in keinem Aquarium der Welt ihm
    angebotenes tierisches Frostfutter oder auch Trockenfutter. Das heißt, er nimmt ein unnatürliches Futter
    zu sich, das energiereicher ist als sein natürliches Futter. Nähme er zusätzlich große Mengen energiereiche,
    gut verwertbare Algen zu sich, käme es zu einem Energieüberschuss. Dazu kommt natürlich noch das erhebliche
    Bewegungsdefizit im Vergleich zu seiner natürlichen Lebensweise. Ein schlechter verwertbares Futter, wie Salat,
    Löwenzahn usw. könnte bei dieser tierischen Ernährungsgrundlage von Vorteil sein.

    Dies passt auch zu dem Schluss, zu dem Ron Shimek in dem von Rainer erwähnten Artikel kommt:
    "Such food need not be specifically formulated to be highly nutritious: rather it should be of low to moderate nutritional value."

    Hallo Joe,

    das hast du schön auf den Punkt gebracht:

    Was ein theoretisch-wissenschaftliches Problem sein könnte, muss noch lange kein aquaristisches sein.
    Und für die Aquaristik ist die Praxis und eindeutig belegte Erfahrungen das Relevante.

    Rainer: Klar, bei dem Korallenwächter hast du recht. Der hat so ungefähr seine natürliche Bewegung im Aquarium.
    Bloß, der frisst keinen Löwenzahn. Und übrigens auch keine Algen.

    Die Hypothese mit dem möglichen Vorteil von schlechter verwertbarer Nahrung habe ich hauptsächlich dazu aufgestellt,
    um Menschen, die Hypothesen Erfahrungen vorziehen, eine Brücke zu bauen. Aber vielleicht hat sie wirklich was
    (Stichwort Ballaststoffe in der Ernährung des Metropolenmenschen).

    @Hans-Werner: Was ist bitte eine "einseitige Erfahrung"? In welchem Aquarium sehen Fische "besser aus" als im Vivarium?
    Was würden sie für Verhaltensweisen zeigen und wo zeigen sie diese?

    Die Messung von Stresshormonen ist übrigens nur eine Rationalisierung, um für Untersuchungen nicht Jahrzehnte
    zu benötigen. Denn langfristig zeigt sich solcher Stress auch physisch. Aber nur wenn er vorhanden ist.

    Hallo Thomas,

    bei einem Verhältnis von 1:10, das sich beim Einschalten der Druckpumpe nicht verändert, läuft etwas grundsätzlich schief.
    Ich gehe davon aus, dass das Problem in falscher Montage begründet ist. Hast du den Ablaufbegrenzer (das Ventil
    oder Reduzierstück, das in der Abwasserleitung sitzt) nicht richtig montiert?

    Hallo Jim,

    Calcium ist zu hoch (unnötig, Gefahr von Kalkausfällung und KH-Absturz)
    Kalium ist viel zu hoch (welche "Mittelchen" gibst du zu?)
    Magnesium ist etwas hoch (unnötig)
    Schwefel ist naturidentisch (wenn deine Salinität 35 ist)
    Strontium ist so niedrig, dass ich von einem Messfehler ausgehe. Reklamiere dieses Ergebnis, es müsste bei ca.
    5-10 mg/l liegen.

    Hallo Bernd,

    wurscht ist der pH nicht, nur schwer zu messen. Ist der Ani kaputt, dann hast bei einem H-beladenen Kationentauscher
    Säure statt demineralisiertem Wasser. Die hat zwar den Vorteil, dass du ihren pH gut messen kannst, schadet aber dem Aquarium.

    Und eine Meersalzmischung, in die heimlich Säure reingemischt wird, ist mir nicht bekannt. Das wäre ein starkes Stück!

    Und gleich nochmal hallo Hans-Werner,

    nach wie vor spannend finde ich die Frage, ob die Furcht vor dem hohen Iodgehalt der Meeresalgen ihre Berechtigung hat.
    Du hast sie sofort als "Esoterik" abgetan. Ich füttere zwar, wie schon erwähnt, im eigenen Becken auch Algen,
    würde aber die Bedenken von Hannes nicht so schnell abtun.

    Das mit der "natürlichen Nahrung" ist so eine Sache. Ich weiß nicht genau, wie viel Iod die natürlichen
    Algen enthalten, die jeder Fisch in meinem Aquarium in der Natur fressen würde.

    Was mich aber viel mehr beunruhigt:
    Stoffe, die im Meer von Milliarden Litern Wasser verdünnt werden, können im Aquarium schnell zu unnatürlichen und
    auch toxischen Konzentrationen anreichern. Und das gilt natürlich auch für Iod. Rotalgen können 50, aber
    auch 5000 mg/kg Iod enthalten (Gracilaria verrucosa). Ein einziges (2,5 g schweres) Gracilaria-Algenblatt, das in einem gut besetzten
    1000 Liter Aquarium nach einer Minutes aufgefressen ist, erhöht die im Aquarium vorhandene Iodmenge um 20%.
    Und sag mal meinen Fischen, sie würden ab sofort nur noch 1 Algenblatt am Tag als "Leckerle" kriegen!

    Die beliebten Norialgen gehören zum Glück zu den iodärmsten Algenarten. Ich gehe daher davon aus, dass eine Fütterung
    mit Norialgen risikolos ist. Bei anderen Algenarten wäre ich dagegen vorsichtig.

    Hallo Hans-Werner,

    wir sollten vielleicht nochmal das Ziel der Diskussion definieren, dann könnte sie vielleicht wieder etwas entspannter verlaufen.

    Worum es geht:

    Wir diskutieren über Meerwasseraquaristik. Genauer gesagt über die Ernährung von in Aquarien gehaltenen Meerwasserzierfischen.
    Und innerhalb dieses Thema über den speziellen Punkt, ob diese Ernährung ohne die Zugabe von Meeresalgen möglich ist.

    Worum es nicht geht:

    Es geht nicht um Fischzucht, um maximale Energiezufuhr und Gewichtszunahme.
    Und es geht nicht um natürliche Bedingungen.
    Die hat ein Fisch im Aquarium nunmal nicht.

    Daher würde der Ansatz, den Fisch im Aquarium exakt wie in der Natur zu füttern schnell zu völlig verfetteten,
    lebensunfähigen Tieren führen. Weil ihnen einfach die natürliche Bewegung fehlt.

    Ziel der Meerwasseraquaristik ist es nicht, so zu tun, als ob unsere Aquarienfische im Meer leben würden.
    Ziel ist, unsere Fische gesund und wohlgenährt zu halten und ihnen ein langes Leben zu ermöglichen.
    Auch die Lebenserwartung gut gehaltener Fische ist übrigens unnatürlich. Nämlich unnatürlich lange.
    Ein weiteres Ziel, das in einem Beitrag kurz erwähnt wurde, ist die mögliche Nachzucht der Fische. Die ist bei
    den Fischen, um die es hier vor allem geht, den Doktorfischen, meines Wissens bisher weder mit Salat noch
    mit Algen gelungen. Lassen wir dieses Thema also mal beiseite.

    Es geht übrigens keinesfalls um die alleinige Ernährung irgendwelcher Fische ausschließlich mit Löwenzahn,
    Algen oder sonst etwas nicht-tierischem. Es geht rein um das Zusatzangebot an pflanzlichem Futter.
    Zusätzlich zu Frostfutter, zum Teil auch zu Trockenfutter.

    Ich sage, dass die Erfahrung zeigt, dass die Haltung von Doktorfischen und anderen eher herbivoren Fischen
    ohne Algenzusatz rein auf der Basis von Löwenzahn und Spinat möglich ist. Und zwar so, dass diese Fische nach
    allen von außen zu beurteilenden Merkmalen einschließlich Krankheitsanfälligkeit und Lebenserwartung optimal dastehen.
    Ich kann diese Ausage durch die Auswertung der Erfahrungen der letzten 20 Jahre im Vivarium beweisen.

    Ich sage NICHT, dass die Haltung nicht auch anders, z.B. durch die Zugabe von Algen gleichwertig möglich wäre.
    Ich selbst füttere in meinem privaten Aquarium ca. 90% Salat und ca. 10% Meeresalgen. Das funktioniert auch.

    Ich habe nie von einer Überlegenheit von Landpflanzen geredet. Obwohl die Tatsache, dass sie nicht so gut wie
    bestimmte Meeresalgen verwertet können, für unsere relativ bewegungsarmen Aquarienfische durchaus ein
    Vorteil sein könnte. Aber das ist nur eine unbewiesene Hypothese.

    A propos Hypothese. Nach Darlegung der schon mehrmals genannten Erfahrungen weiter Hypothesen wie
    "weshalb sollte es weniger klar sein, dass man Algenfresser nicht mit Pflanzen ernähren kann?" zu formulieren
    ist nicht sehr sachlich. Eine Hypothese ist solange eine Hypothese, bis sie bewiesen oder widerlegt ist.

    Das Aufrechterhalten deiner Hypothese würde unterstellen, dass wir im Vivarium entweder phantasieren oder keine gesunden Fische haben.
    Du weißt selbst, dass beides nicht richtig ist.

    Hallo Christoph,

    pH-Messungen in demineralisiertem Wasser kannst du vergessen, wenn du nicht vorher eine Prise Kochsalz dazugibst.
    Der pH-Abfall nach deinem Wasserwechsel weist allerdings darauf hin, dass dein Wechselwasser wirklich
    viel zu sauer ist. Ich tippe ebenfalls auf einen erschöpften oder ungeeigneten Anionentauscher.

    Hallo zusammen,

    endlich mal wieder eine interessante Diskussion. Ich habe mein Ziel erreicht :grinning_squinting_face:

    Schauen wir uns mal die Argumente an:

    - Natürlich beweist die Natur, dass die Nahrung, die die Fische in ihrer natürlichen Umgebung aufnehmen, sehr gut
    für sie geeignet ist. Wer sein Futter direkt aus dem Riff bezieht, kann sich darauf verlassen, dass es seinen Fischen gut geht.

    - In der Realität hat das, was wir den Fischen füttern, recht wenig mit dem zu tun, was sie in ihrer natürlichen Umgebung finden.
    Dort gibt es keine Artemien, kein Frostfutter, keine (Getreide,Fischmehl usw.)-Flocken und auch keine getrockneten Norialgen.

    - Jetzt kann man natürlich darüber spekulieren, ob Fische trotz dieser unnatürlichen Nahrung im Aquarium gedeihen können.

    Folgende Fakten wurden genannt:

    -Löwenzahn enthält nur etwa halb so viel Eiweiß wie Algen (welche eigenltich?), dafür fast fünf mal so viel Kohlehydrate und 50% mehr Fett.
    - Getrocknete Norialgen enthalten sogar 15 mal mehr Eiweiß, 4 mal mehr Kohlehydrate und doppelt so viel Fett wie ungetrockneter Löwenzahn
    + Dass sich das Protein-Kohlenhydrat-Fettverhältnis bei Algen und Löwenzahn unterscheidet könnte ein Problem sein, vielleicht aber auch nicht.

    - Braunalgen enthalten viel Iod
    + erhebliche Mengen Iod im Futter könnten ein Vorteil sein. Oder ein Nachteil.

    - Rotalgen enthalten Vitamin B12
    + das ist vielleicht nützlich. Vielleicht reicht es aber aus, dass es bei Fischen wie bei Menschen durch Bakterien im Verdauungstrakt gebildet wird.

    - die Lochkrankheit wird durch Löwenzahn nicht verhindert
    + könnte sein. Oder auch nicht.

    - Salat hat keines der Algen-Kohlenhydrate, auf die die symbiotische Darmflora der Algenfresser +/- spezialisiert ist
    .Die Darmflora produziert B-Vitamine. Die gesamte Bakterienflora im Verdauungssystem hat für den Fisch große Bedeutung.
    + die Darmbakterien könnten aber auch (wie üblich) keine Nahrungsspezialisten, sondern anpassungsfähig sein

    - Die Mineralstoffversorgung wird durch Algen gesichert.
    + Ein Argument, das in einer Umgebung voller Mineralstoffe (Meerwasser!) sehr unwahrscheinlich klingt.
    Aber sagen wir einfach auch: Könnte sein.

    - Fische, die mit Löwenzahn und ähnlichem riffremdem Zeug gefüttert werden sind Kellerkinder oder Junk food Fische.
    + Könnte sein, dass sie dann so aussehen.

    Nach all den genannten Argumenten stehen wir vor vielen "könnte sein", wie so oft bei biologischen Problemen.
    Durch einfache Messungen lässt sich solch ein komplexes Problem leider nicht lösen,
    die genannten Hypothesen weder bestätigen noch widerlegen.

    Was kann man tun in solch einem Fall? Man muss es experimentell ermitteln!

    Normalerweise laufen solche Experimente, oder anders gesagt solche Beweise, über einen recht kurzen Zeitraum.
    Hier haben wir den außergewöhnlichen Fall, dass sich der Beweis aus einem 20-jährigen Experiment mit einer erheblichen Anzahl
    von Fischen aus Gattungen wie Siganus, Ctenochaetus und Zebrasoma erbringen lässt:
    Dutzende von gesunden, wohlgenährten Fischen oder jegliche Mangelerscheinungen!!!

    Wer das Experiment selbst mitverfolgen will: Das Staatliche Museum für Naturkunde Karlsruhe hat von
    Dienstag bis Freitag von 9.30 – 17.00 Uhr und Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 10.00 – 18.00 Uhr geöffnet.
    An diesem Samstag besteht sogar die Möglichkeit, sich die gesunden wohlgenährten Fische bis 24 Uhr anzusehen.


    PS: Algen sind meines Erachtens keine schlechte Ernährungsgrundlage für Meerwasserfische. Der Grund,
    warum sie im Museum nicht verwendet werden, ist, dass der hohe Iodgehalt gefürchtet wird.
    Eine Theorie, von der ich selbst noch nicht überzeugt bin. Aber das kann ich im Augenblick noch nicht beweisen.