Hallo Torsten,
irgendwie habe ich da ein Verständnisproblem. Wenn Du als Meeresbiologe gearbeitet hast, solltest Du doch gerade Verständnis für wissenschaftliche Arbeiten haben. Es gibt doch genug Veröffentlichungen zu diesem Thema, die nicht auf Vermutungen oder laxem Umgang mit Phosphat beruhen.
Es hat doch niemand bestritten, dass höhere Phosphatbelastungen durchaus eine Ursache sein könnten. In vielen Punkten Deiner Ausführungen kann ich daher auch voll zustimmen. Natürlich macht es durchaus Sinn, bei Massenbefall auch auf mögliche Phosphatanlagerungen zu achten. Aber vielen Betroffenen ist damit nicht wirklich geholfen und ganz sicher nicht 90%. Es gibt neben den praktischen Erfahrungswerten vieler Betroffener, dass dies nicht weiterhilft, eben auch eine ganze Reihe wissenschaftlicher Arbeiten mit einem völlig anderen Ergebnis, was bei der Vielzahl der Cyanoformen auch kein Wunder ist.
Da Phosphat in Aquarien in der Mehrzahl der Fälle nicht wirklich limitiert ist, das Gegenteil dürfte eher die Regel sein, durch Fütterung etc. regelmäßig Nachschub kommt und in mineralischer Form binden kann, müsste es, falls es tatsächlich der Hauptverursacher wäre, viel mehr zu regelmäßigen Massenvermehrungen kommen. Dem widerspricht aber nicht nur die reale Aquarienpraxis - glücklicherweise bleiben ja die meisten Becken, auch mit altem Bodengrund oder üppigen Depots auf der Dekoration - im Gegensatz zu vielen Neueinrichtungen von zur Plage werdenden Massenvermehrungen verschont oder verschwinden diese auch ohne phosphatreduzierende Eingriffe wieder.
In den angeführten Untersuchungen kommt man eben zu dem Ergebnis, dass - neben physikalischen Wirkungen, eine mögliche Ursache lt. einer Arbeit - gerade bei Cyanos der Gattung Oscillatoriales, den häufigsten bei uns anzutreffenden Cyanobakterien, Phosphor als relevante Steuergröße ausgeschlossen werden kann! Man geht dabei von einer starken Konkurrenzsituation zwischen div. Bakterienarten aus. Da die meisten Oscillatoriales keine Stickstofffixierung betreiben können, verschafft ihnen ein höheres Phosphatangebot keinen Konkurrenzvorteil.
Höhere Stickstoffangebote, wie sie auch Hans-Werner vermutet, könnten dagegen durchaus förderlich wirken, da eine ganze Reihe von Cyanos Phosphate zellulär speichern und somit im Gegensatz zu Konkurrenten Phosphatlimitierungen ausgleichen können.
In einem Punkt muss ich Dir recht geben und meine Vorbehalte etwas korrigieren. Das Licht könnte tatsächlich eine Einflussgröße sein. Ob eine Reduzierung der Beleuchtung auf Blaulicht allerdings allein ausreicht, weiß ich nicht. Da müsste man vielleicht noch intensiver nachhaken.
Ganz einig sind wir uns über Peter Wilkens. Ich habe leider erst sehr spät von seinem Ableben erfahren. Von ihm habe ich sehr, sehr viel gelernt und bin ihm noch heute dankbar. Viele Fragen, die erst viel später wissenschaftlich geklärt wurden, hat er mit sorgfältiger Beobachtung und Intuition bereits im Vorfeld richtig beantwortet.
Gruß
Bernd