Hallo,
nun ist die Diskussion, sicher nicht uninteressant, doch etwas sehr akademisch vom natürlichen Meerwasser zu den Spurenelementen gekommen. Für mein Empfinden bewegt sich da aber manches etwas im luftleeren Raum. Es gibt kaum vernünftige, vor allem vergleichbare Untersuchungen zu den komplexen biologischen Fragen der Meeresaquaristik. Manches wird aus Untersuchungen zu Fischkulturen abgeleitet, anderes aus der allgemeinen Biologie, kaum etwas im realen Bezug zur Aquaristik und Vieles beruht allein auf Angelesenem.
Hinsichtlich der komplexen Problematik der einzelnen Spurenelemente wissen wir oftmals lediglich, dass sie zwar biologisch essentiell für die Organismen sind, aber kaum etwas über den realen Bedarf bei den unterschiedlichen gepflegten Arten, über kritische Obergrenzen, wie sich wirkliche Mangelerscheinungen darstellen, über alle Formen der tatsächlichen biologischen Verfügbarkeit, über Wechselwirkungen usw., usw.. Wir haben sogar Probleme mit deren zuverlässigen Messung bzw. Quantifizierung. Trotzdem wird darüber mit mehr oder weniger gesichertem Wissen (Halbwissen, wenn überhaupt) spekuliert und kommen vor allem immer mehr entsprechende Produkte auf den Markt, die angeblich unersetzlich sind und häufig wahre Wunderwirkungen versprechen.
Keiner von uns weiß, was er mit dem jeweiligen Produkt überhaupt in sein Becken kippt, schließlich gilt es ja das Geschäftsgeheimnis gegenüber der Konkurrenz zu wahren. In den Foren liest man dann gelegentlich euphorische Lobeshymnen der meist unbedarften Anwender, im Gegensatz dazu aber auch manche Katastrophenmeldungen. Keiner hier kann aber genau nachvollziehen, weshalb und warum wer was berichtet!
Meiner Meinung nach bewegen wir uns da auf ganz dünnem Eis! Vieles erscheint mir als das Ergebnis immer weiter ausufernder Marketingstrategien, wobei sich viele Leute zum Versuchskaninchen verführen lassen. Ich habe aber auch den begründeten Eindruck, dass weit verbreitet aus unspezifischen Einzelbeobachtungen auf der Basis falscher Korrelationen Rückschlüsse gezogen werden.
Ob man diesem Trend begegnen kann, bezweifle ich eher. Fakt ist aber, dass es jede Menge äußerst erfolgreicher Meeresaquarianer gibt, die ihre Becken ohne Zugabe fragwürdiger Mittelchen, ganz herkömmlich nur mit regelmäßigem Wasserwechsel - und dies auch nicht mit teurem, angeblich natürlichen Meereswasser aus dem Kanister - betreiben.
Unausgegorene Überlegungen, Thesen oder Diskussionen, so interessant sie im Einzelfall für den tatsächlich Kundigen sein mögen, bergen in sich aber auch Gefahren, nämlich dann, wenn sie die große Zahl weniger in der Materie Bewanderter unnötig verunsichern und Handlungsnotwendigkeiten suggerieren.
Gruß
Bernd