Hallo,
also langsam kommt es hier bei einigen Leuten zu einer totalen Überhöhung! Nach ästhetischen Gesichtspunkten gestaltete Aquarien gab es schon lange, lange bevor man hier meinte, man müsse mit dem Begriff Aquascaping eine neue Aquarienphilosophie und Beckenheilkunde (wider mancher biologischen Gegebenheiten) einführen.
In der Süßwasseraquaristik waren solche Aquariengestaltungen schon lange unter dem Begriff "Holländische Aquarien" bekannt. Abgeleitet hatte sich die Idee einer Landschaftsgestaltung Unterwasser aus der ostasiatischen Gartenkultur, die auch die Bonsais hervorgebracht hat. Ziel ist es da tatsächlich, mit minimalistischen Mitteln die Atmosphäre einer Landschaft nachzuvollziehen.
Mit ästhetischen Gestaltungsüberlegungen hat aber die Gesundheit und Stabilität eines Aquariums absolut nichts zu tun, auch wenn dies hier immer wieder suggeriert wird und einige Leute meinen dies ungeprüft übernehmen zu müssen. Ständige Wiederholungen unbelegter Thesen machen diese noch lange nicht überzeugender! Wer hat denn schon einen gesamten Überblick, welche Becken im ganzen Land am besten laufen? Irgendwelche Internetpräsentationen, deren Gesamtumstände niemand kennt, begründen doch keine ernst zu nehmende Situationsanalyse!
Ich kenne allein hier in Karlsruhe und Umgebung persönlich eine große Zahl wunderschöner herkömmlicher Riffbecken, die seit vielen Jahren hervorragend laufen, von renommierten Einrichtungen wie die Aquarien in der Stuttgarter Wilhelma, dem Frankfurter Zoo oder der Badischen Landessammlung für Naturkunde in Karlsruhe (auf die Neueröffnung Deutschlands größten Riffaquariums habe ich schon hingewiesen) ganz abgesehen.
Es gibt, wie auch hier nun schon zigmal auch von anderen kompetenten Leuten geschrieben wurde, aber immer wieder einfach übergangen wird, in allen Bereichen erfolgreiche, aber eben auch weniger gut laufende Aquarien. Dies hängt nicht von der Form der Einrichtung ab, sondern vom Fachwissen und der Pflege seiner Betreiber!
Die einen mögen eine minimalistische Gestaltung bevorzugen und können vielleicht durchaus optisch sehr ansprechende Becken gestalten (bei den immer wieder geposteten Beispielen waren bisher leider nur sehr wenig überzeugende Aquarien aus echtem Langzeitbetrieb), wobei man dann aber manche Ansprüche hinsichtlich der Fischhaltung infrage stellen muss, anderen Leuten geht es dagegen um die Gestaltung eines Lebensraumes mit einer Orientierung an natürlichen Gegebenheiten und Lebensansprüchen der Pfleglinge. Dies sind aber verschiedene Ansätze, die beide ihre Berechtigung haben.
Ob ein Aquarium höheren ästhetischen Ansprüchen gerecht wird, hängt für mich aber bei weitem nicht nur von Fragen seiner Einrichtungsgestaltung ab. Deutlich sichtbare Strömungspumpen, manch hässliche Beckenbeleuchtung oder eine Laboratmosphäre sprechen nicht unbedingt dafür. Häufig passen auch noch so schöne Becken nicht zur Raumeinrichtung oder erschlagen diese. Da nützt dann die ganze Beckenästhetik nichts, wenn sie das gesamtbild stört.
Man sollte allerdings die Toleranz besitzen, jedem seinen Weg zu lassen! Ich finde es nicht in Ordnung, wenn man ständig versucht, mit abwertenden Begriffen wie "Deko mit dem Schukarren" oder "Becken im Stil Kaimauer" etc. andere Ansichten oder Grundüberlegungen madig zu machen, gestellte Fotomontagen von US-Becken irgendwelchen vernachlässigten Katastrophenaquarien gegenüberstellt oder mit fragwürdigen Behauptungen versucht, seiner Ansicht Überzeugungskraft zu verleihen.
Gruß
Bernd