Hallo Hans-Werner,
in Teilen mag deine Theorie zutreffen, in Teilen erscheint sie mir zu spekulativ. Viele der von dir genannten Faktoren sind im Aquarium unvermeidbar und alltäglich. Klar zielführende Bekämpfungsstrategien lassen sich für mich daraus nicht unbedingt ableiten, allenfalls eben, dass man auch einmal an eine Erhöhung der Phosphatkonzentration denken sollte, wenn man mit sehr nährstoffarmen Verhältnissen fährt.
Dass abgestorbene Korallenäste mehr oder weniger Phosphatanteile enthalten können, spricht ja in keiner Weise gegen die Beobachtung, dass sich hier Cyanobakterien als Primärbesiedler bevorzugt ansetzen, während sie auf anderem belebtem Material, etwa mit Kalkalgen bewachsenen alten Bruchstücken, kaum zu finden sind. Dies gilt auch für andere Materialien, weshalb ich bei Neueinrichtungen immer zur möglichst sparsamen Verwendung toten Dekomaterials rate.
Dem entspricht auch meine Beobachtung in mehreren Riffgebieten, dass sich dort, wo Touristen auf Korallen herumgetrampelt haben, öfters mit Fadenalgen oder Cyanos befallene Korallenspitzen finden lassen.
Dass in strömungsarmen Gewässern eher Schichtungen auftreten als in den heute meist stark und häufig sogar wechselnd beströmten Aquarien, liegt wohl auf der Hand. "Schichtungen" im Mikrobereich sehe ich da als arg spekulativ.Das gleiche gilt für die geschädigten Riffabschnitte.
In meinem großen Algenrefugium treten Cyanos im Gegensatz zum damit verbundenen Riffbecken gelegentlich und in unterschiedliche Stärke auf, ohne dass bisher nachvollziehbare Veränderungen vorgenommen wurden. Das Refugium (1000 l) ist stark mit Drahtalgen zugewachsen, mein Riffbecken sehr stark mit Korallen, alles bei geringem Fischbesatz und vorsichtiger Fütterung.
Aufgrund dieser Umstände habe ich immer sehr nährstoffarme Verhältnisse (NO3 zw. 0,41 und 1,5 mg/l, PO4 zw. 0,01 und 0,02 mg/l). Cyanos finden sich auch an frisch gereinigten Scheiben oder am Glaskörper eines nicht angeschlossenen Heizers, in stärkeren Konzentrationen in stark beströmten Bereichen. Die Theorie der Schichtungen überzeugt mich auch da absolut nicht
.
Mein einziger Anhaltspunkt wären allenfalls geringfügige Schwankungen in der ohnehin geringen PO4-Konzentration, etwa beim Ausdünnen der Drahtalgen. Dies werde ich zukünftig einmal genauer beobachten.
Aber nochmals, wenn du aus deinen Überlegungen auch praktische Handlungsansätze ableiten könntest, wäre hier viele Leser sicherlich dankbar.
Gruß
Bernd