Hallo Hans-Werner,
die Kernaussage von Hajo stand am Anfang seines Beitrages (Nr.30) und der dürfte man wohl kaum Widersprechen.
Es ist doch in vielen Fällen die übliche Praxis, irgendwelche Spurenelementmischungen, deren Zusammensetzung zumindest im quantitativen Verhältnis dem Anwender meist verborgen bleibt, nach allenfalls pauschalen Mengenangaben der Hersteller ins Becken zu kippen, oftmals sogar noch als Kombiprodukt mit Makroelementen.
Im günstigsten Fall leisten sich die Anwender dann von Fall zu Fall eine Analyse, die aber nur den Augenblickszustand der Wasserwerte - ohne Organik - wiedergeben kann.
Niemand stellt wohl die teilweise essentielle Bedeutung diverser Spurenelemente in Abrede, aber hier geht es vornehmlich um die pauschalen Dosierungen und daneben um die Frage, ob Zusatzgaben überhaupt notwendig sind.
Da sind wir uns doch sicher einig, dass wir in der Praxis hinsichtlich der richtigen Dosierungen immer noch in sehr unsicheren Bereichen agieren. Der Produktanbieter kann die individuellen Bestandskonzentrationen genauso wenig wie den jeweiligen Verbrauch beurteilen. Also werden wohl mehr oder weniger pauschale Mittelwerte zugrunde gelegt. Gleichmäßige Konzentrationen im natürlichen Lebensraum haben wir auch nicht als feste Bezugsgröße, hinsichtlich des Verbrauchs fehlen uns in weiten Bereichen ausreichende Größenangaben. Oft wissen wir nicht einmal genau, was bei den physiologischen Prozessen tatsächlich aufgenommen oder aber nur - z.B. in Skeletten - eingelagert wird. Auch hinsichtlich des Austrages durch Wasserwechsel oder Filterung, Abschäumung oder die Bindung an Gestein oder Bodengrund gibt es keine einheitlich definierbaren Größen.
Die Liste der Unsicherheiten liese sich noch lang fortsetzen.
Dem gegenüber stehen bei den extrem niedrigen Mengenverhältnissen, um die es hier geht, die oftmals engen Bereiche zwischen biologischer Notwendigkeit und toxischen Wirkungen. Wer von uns kann auch nur ansatzweise beurteilen, wieviel tatsächliche Misserfolge in der realen Praxis auf Probleme mit Spurenelementen zurückzuführen sind? Meist raten und spekulieren wir bei der Fehlersuche doch nur anhand der Vielzahl der komplexen Möglichkeiten.
Wir führen unseren Aquarien auch ohne explizite Zugaben Spurenlemente in ebenfalls kaum quantifizierbaren Mengen zu, beispielsweise mit dem Futter, den Meersalzmischungen oder sogar den Ballingsalzen - selbst bei hohen Reinheitsgraden.
Die auf Deinen Ansatz i.Z.m. dem Balling System beruhenden Dosierungen haben sich in jahrelanger Praxis wohl bewährt, sofern sie denn auch eingehalten werden. Aber selbst da bleiben Fragen offen, weil man wohl zwischen opportunistischen und biologisch relevanten Einlagerungen in den Korallenskeletten kaum unterscheiden kann und die Hauptaufnahme der Spurenelemente ohnehin in den Zooxanthellen erfolgt.
Zurück zum Kernthema des Diskussionsthemas, sehe ich eben die Verabreichung von Spurenlementen vor allem zusammen mit Makroelementen in den immer mehr angebotenen Kombiprodukten aus den o.a. Gründen äußerst kritisch.
Ich selbst habe in meiner nun jahrzehntelangen Praxis alle möglichen Angebote versucht, komme aber seit vielen Jahren eigentlich ganz ohne diese aus. Wesentliche Unterschiede konnte ich bei meinen Korallen in diesem Zusammenhang nie feststellen. Zufall oder nicht? Wer weiß es?
Gruß
Bernd