Hallo,
wie ich ja schon geschrieben habe, kann man nach beiden Alternativen verfahren. Der Einsatz von Lebendgestein hatte vor Jahren die Meeresaquaristik stark nach vorn gebracht und insbesondere erst die Pflege von Steinkorallen richtig ermöglicht.
Ob daran nun vor allem "ältere Semester" hängen, mag ich einmal dahingestellt sein lassen. Dass langjährige Erfahrungen in jungen Lebensjahren noch nicht so vorhanden sein können, liegt in der Natur der Sache.
Ich persönlich kenne von einer ganzen Reihe von Leuten beide Verfahrensweisen. Nach meinen Beurteilungen liefen die Aquarien mit Lebengestein in der Anfangsphase, vor allem aber auch auf Dauer, im Durchschnitt stabiler. Ausrutscher gab es natürlich auch auf beiden Seiten.
Der Vorteil beim Start liegt nach meinen Beurteilungen insbesondere darin, dass im Gegensatz zum Totgestein, welches Primärbesiedlern wie Cyanobakterien einen bevorzugten Ansatzpunkten bietet, bei Lebendgestein keine Freiflächen vorhanden sind.
Diese Problematik wird nur weitgehend vermieden, wenn man anstatt Lebendgestein zu verwenden, dass Aquarium sofort mit größeren Mengen und größeren Stöcken Korallen besetzt und dabei auch nur ganz wenig Dekomaterial einbringt. Diese Verfahrensweise klappt heute oftmals sehr gut, allerdings sind die wenigsten Leute bereit - vor allem auch nicht Einsteiger ohne breite Kenntnis zur Korallenpflege -, sofort derartig teure Investitionen zu leisten.
Der entscheidende Vorteil von Lebendgestein im Langzeitbetrieb liegt für mich aber in der Verarbeitung der organischen Abfallprodukte wie Futterreste, Fischausscheidungen usw.. In einem Becken mit totem Gestein können weitgehend nur diverse Bakterienarten eingebracht werden. Selbst mit Importkorallen wird im Gegensatz zu Jörg Kokotts Darstellungen (den ich an sich überaus schätze) kaum etwas anderes eingetragen. Auf dem lebenden Korallengewebe selbst siedeln nur wenige für uns nützliche Organismen. Natürliches Steinmaterial ist mit Importkorallen aus Gründen der Transportkosten kaum verbunden (wenn doch, dann wäre dies ja auch Lebendgestein). Meist werden die Korallenäste jedoch auf künstliches Trägermaterial aufgeklebt verkauft.
Das Lebendgestein bringt dagegen normalerweise eine Vielzahl maritimer Kleinstlebewesen wie Bakterien, verschiedenste Würmer, Borstenwürme, Kleinstkrebse, Rädertierchen, Schnecken, Schwämme, Seescheiden, Algen usw. ein. Durch seine poröse Struktur bietet das Lebendgestein diesen Mikroorganismen den optimalen Siedlungsraum und setzt sofort die biologischen Abbauprozesse in Gang.
Diese Organismen sind wichtig, um die anfallenden organischen Reststoffe aufzuspalten und zu verarbeiten. Dabei entsteht dann eine ganze Aufbereitungskette, bei der letztlich nur noch ganz feines anorganisches, biologisch inaktives Restdetritus übrig bleibt. Bakterien wirken dabei zwar auch mit, sind aber allein nicht in der Lage, diesen Prozess vollständig zu bewerkstelligen.
Da sieht man dann häufig den Unterschied zwischen beiden Systemen. Ohne vollständige Aufarbeitung der Reststoffe verbleibt meist recht viel Mulm in den Aquarien. Man versucht dann mittels ausgeklügelter Strömungsverhältnisse diesen aus dem Becken zu bekommen, was aber auf Dauer so gut wie nie richtig gelingt. In der Regel verbleiben irgendwo im Aquarium Mulmansammlungen, die das Wasser mehr oder weniger stark belasten können.
In meinem Becken, seit fast 20 Jahren im Betrieb und mit Korallen zugewuchert, sieht man Derartiges ohne jegliche Eingriffe überhaupt nicht.
Gruß
#Bernd