Nichts für ungut, aber da die Putzer im Harem leben (1 maennliches und bis zu 6 weibliche Tiere),....
Hallo Hajo,
hmmm, also in über 20 Jahren Taucherei in tropischen Gewässen habe ich wirklich noch niemals mehr als zwei Putzer zusammen an einer Putzstation gesehen. Ich habe auf Deinen Hinweis hin natürlich auch mal gegoogelt, das führte aber auch zu keinem befriedigenden Ergebnis. Ich fand zwar einige Texte die behaupteten, dass Putzerlippis im Harem leben, konnte aber keinerlei Fotos finden auf denen mal mehr als 2 Putzer abgebildet waren. Wenn es also üblich sein sollte, dass die Tierchen im Harem leben, dann wundert mich das schon. Wenn Du mal ein paar Fotos einstellen könntest von Putzerharems in der freien Natur, dann wäre ich Dir dankbar. Ansonsten beharre ich auf meiner Überzeugung das adulte Putzer ausschließlich als Paare leben und nicht im Harem. Eventuell anwesende Jungtiere (von mir nie beobachtet) werden vielleicht geduldet, haben aber keine aktive Rolle im Harem.
Lippfische sind eigentlich in der wissenschaftlichen Literatur als protogyne Hermaphroditen beschrieben, d.h. sie können sich nur vom Weibchen zum Männchen umwandeln. Ob sie dieses unbedingt im Laufe ihres Lebens tun müssen, oder ob sie in Anwesenheit eines dominanten Männchens so stark unterdrückt werden, dass sie es nicht tun, dass ist wahrscheinlich von Art zu Art unterschiedlich und wohl auch situationsabhängig. Ich habe nur mal eben die Putzer auf Fischbase gecheckt, ist auf die Schnelle immer noch eine gute Informationsquelle. Alle Putzer werden als protogyne Hermanphroditen angegeben, und falls Infos über die Sozialstruktur angegeben werden steht da immer, dass es sich um monandrische Arten handelt, bei denen also zu jeder gegebenen Zeit immer nur ein Männchen mit einem Weibchen aktiv ist, weitere Tiere sind (wenn vorhanden) also nicht geschlechtsreife oder nicht geschlechtlich aktive (Jung-)tiere.
Auf Fischbase wird gerade L. phtirophagus als "monogam" bezeichnet, mit einer Referenz an die ich leider so auf die Schnelle nicht rankomme um das zu checken (Whiteman, E.A. and I.M. Côté, 2004. Monogamy in marine fishes. Biol. Rev. 79:351-375. )
Im Aquarium würde ich mich aufgrund der mangelnden Beckengröße und dem Mangel an zu putzenden Fischen immer auf ein Paar beschränken. Ich kenne auch keine Berichte bei denen eine Gruppenhaltung geklappt hat.
Ich für meinen Teil habe ein Paar im Becken und bin damit sehr glücklich. Mein erstes Paar kam von Joachim Großkopf und harmonierte ganz prächtig. Glücklicherweise habe ich genügend Fische im Becken, so dass sich die Putzerei auf diverse Fische verteilte. Leider war nach einem Jahr einer von den beiden plötzlich verschwunden. Dann gingen die Probleme eigentlich erst los, der verbliebene Fisch zeigte innerhalb kürzester Zeit bösen Hospitalismus und schoss auf einer festgelegten Bahn durchs Becken. Geputzt wurde kaum noch, selbst wenn die anderen Fische sich ihm anboten. Ich setzte daraufhin einen Putzer nach, und nach einer kurzen Eingewöhnungsphase bei der erstmal die Rollenverteilung geklärt werden musste ging die Putzerei wieder los. Der Hospitalismus des Alttieren war von einem Moment zum anderen vorbei. Nun sind die beiden auch schon ca. 3 Jahre bei mir und verstehen sich prima.
Was die Unterscheidung zwischen L. pectoralis und phtirophagus angeht, ich konnte sie mir beide schon in der Natur ansehen und habe ehrlich gesagt keinen wirklichen Unterschied feststellen können. Vielleicht hat der phtirophagus etwas mehr Rot in der Schwanzflosse, aber war es dann meiner Meinung auch schon. Leider habe ich kein aktuelles Lippfisch Buch, mich würde es aber nicht wundern wenn die Unterteilung in zwei Arten mal wieder eine von diesen elenden Haarspaltereien von Kuyter war. Der Kerl ist zwar ein toller Taxonom, aber seine permanente Aufteilung von bestehenden Arten mit einer gewisssen geographischen Variabilität in zig einzelne Arten (z.B. Pseudanthias squamipinis in squamipinis, cheirospilos, nobilis und cf. cheirospilos) macht mich echt wahnsinnig. Wenn er wenigstens eine ordentliche Genetik dazu liefern würde, aber das schafft er ja nicht
Der große Preisunterschied zwischen den Arten ist wohl dadurch zu erklären, dass der phtirophagus von Hawaii kommt, und da werden den Fängern halt andere Gehälter gezahlt als in Indonesien etc. Der pectoralis hat ja ein wesentlich größeres Verbreitungsgebiet und kommt fast im ganzen Westpazifik vor.
Grüße
Jens