Hallo Hans-Werner,
ich hatte gehofft, dass du zu dem Thema Stellung beziehst.
Bis jetzt habe ich noch nicht herausgefunden, welche Bakterien in den Kiemenvakuolen der Mondmuscheln leben. Es werden ja vermutlich auch aerobe Arten sein. Da würde ich annehmen, dass die Muscheln selbst durch ihre Grabtätigkeit für einen ausreichenden O2-Gehalt selbst in 20 cm Tiefe sorgen und somit die Bedingungen für die Schwefeloxidation herstellen.
Die an der Substratoberfläche lebenden Beggiatoa-Bakterien zeigen das Vorhandensein von H2S nur an und oxidieren das Sulfid höchstens im Millimeter-Tiefenbereich. Dennoch scheinen die im Bereich der Beggiatoa-Kolonie wachsenden Gräser fiter. Die Rhizome von Halodule uninervis entwickeln sich knapp unterhalb der Bodenoberfläche, vielleicht ist das der Grund, dass zumindest neue Triebe keine Schäden zeigen.
ZitatEinen effektiven Schutz der Seegräser vor Schwefelwasserstoff können die Schwefelbakterien also nur bilden, wenn die Seegräser selbst für aerobe Bedingungen im Wurzelbereich sorgen. Das würde aber bedeuten, der Wurzelbereich der Seegräser sollte mit Schwefelbakterien durchzogen sein, ähnlich dem symbiotischen Pilzmantel um Baumwurzeln.
Das hätte ich auch vermutet, zumal H. uninervis als Pionierart gilt. Es hat sich so aber nicht bestätigt.
Die Kondition der Gräser im Mangrovenbecken scheint allerdings der Beleg zu sein, dass das Feinwurzelgeflecht der Mangroven in diese Richtung wirkt.
Das der Schwefelwasserstoff im Bodensubstrat durch den Abbau von Aminosäuren im Zuge von Fäulnisprozessen kommt, ist mir mittlererweile klar. Ich verstehe nur nicht, in welcher Weise die Pflanzenwurzeln durch H2S geschädigt werden sollen. Darüber habe ich keine Information im Web gefunden. Es gibt lediglich den Hinweis im verlinkten Standardartikel (und in ein paar weiteren, die ebenfalls Sulfid als Ursache für Pflanzenschäden angeben), aber keine Erklärung über die Wirkungsweise.
Je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, desto komplexer wird es für mich.
Mit der Absicht, durch organischen Abfall die Nährstoffversorgung im Wurzelbereich zu erhöhen, habe ich scheinbar selbst zum Verfall der Gräser beigetragen. Ich glaube jetzt auch die Erklärung zu haben, warum sich Wolfgangs Seegraswiese nach der Übersiedlung der Gräser in das neue Becken so rasch etabliert hat. Das hat mich ja immer gewundert, weil ich (auch nach früher mit Thalassia hemprichii selbst gemachter Erfahrung) immer davon ausgegangen bis, dass Seegräser einen 'reifen' Bodengrund benötigen. Das mag auch sein, aber 'reif' bedeutet wohl das Vorhandensein bestimmter Mikroben und eines aeroben Klimas im Substrat. Die Körnung des Substrats scheint dabei irrelevant zu sein, denn im Mangrovenbecken ist der Bodengrund der Gleiche wie in einem der Seegrasaquarien.
Liebe Grüße
Linda
