Hallo Herbert,
ich kenn dich nicht, und in deinem Profil hab ich auch keinen Hinweis gefunden, auf welche fachliche Qualifikation sich deine Aussage stützt.
Gehen wir davon aus, dass das Wasser, das die großen Flüsse dieser Erde in die Ozeane bringen, um ein Vielfaches mehr Schadstoffe enthält als das Trinkwasser, das bei uns in Mitteleuropa aus den Leitungen kommt. Dennoch sind die Ästuare und vorgelagerten Riffe - von Extremfällen abgesehen - arten- und individuenreich. Wie so oft macht die Dosis das Gift, zahlreiche 'Schadstoffe' sind auf der anderen Seite als Spurenelemente durchaus erwünscht. Ich denk etwa an Cu, das im Süßwasser in durchaus nennenswerter Konzentration vorkommen kann, im Meer aber in kaum messbarer Menge vorliegt.
Hallo Chris,
das eben genannte Kupfer kann für unsere Zwecke durchaus zum Problem werden, vor allem dann, wenn die Leitungen aus diesem Material bestehen und längere Zeit nicht durchgespült wurden.
Ein anderes Thema ist Nitrat: Bei uns in Österreich liegt der Grenzwert für NO3 im Trinkwasser bei 50 mg/l. Das ist für meeresaquaristische Verhältnisse viel und vor allem für Algen ein ausgezeichneter Dünger.
Grundsätzlich ist auch anzumerken, dass die Alkalinität recht hoch wird, wenn das zum Anmischen des Meerwassers verwendete Wasser bereits eine hohe KH aufweist.
Diese und andere potenziellen Problemquellen können bei Verwendung guten Osmosewassers ausgeschlossen werden. Die im Handel erhältlichen Salzmischungen sind für demineralisiertes Ausgangswasser ausgelegt.
Ich verwende seit Jahren Leitungswasser und hatte damit nie Probleme. Das Wasser in meiner Wohngegend ist in der Regel mineralstoffarm, der konstant gemessene Silikatanteil von 0,8 mg/l ist in den Aquarien binnen weniger Tage nicht mehr nachweisbar.
Bei Wasserknappheit im Sommer wird gelegentlich Wasser aus anderen Quellen beigemischt, aber auch das konnte bisher nicht als Problemquelle ausgemacht werden. Vor etwa 1 Jahr hatte ich ein rätselhaftes Sterben in mehreren meiner Aquarien und hatte zunächst auch geglaubt, dass die lange bewährte Praxis die Ursache gewesen wäre, zumal mir später von den hiesigen Wasserwerken bestätigt wurde, dass die Wasserversorgung im fraglichen Zeitraum aus technischen Gründen vorübergehend verändert worden war.
Als Ursache für den Zusammenbruch der Biologie in den Aquarien hat sich schließlich eine fehlerhafte Mischung des ebenfalls seit Jahren verwendeten Salzes herausgestellt. Es enthielt kaum Ca, Mg und KH.
Die Schlussfolgerung: Auf der sicheren Seite bist du, wenn du die wesentlichen Werte beim frisch angesetzten Meerwasser checkst.
Den Hinweis von Herbert auf ein gutes Buch möchte ich mich anschließen: Armin Glasers Ratgeber Meerwasserchemie sollte in keinem MeerwasseraquarianerInnenhaushalt fehlen.
Liebe Grüße
Linda
PS/Edit: Für die Ergänzung verdunsteten Wassers habe ich in einem Becken eine automatische Nachfüllung installiert, die früher mit Osmosewasser befüllt wurde. Wegen der im Vergleich zum Beckeninhalt geringen Menge habe vor 2 Jahren ich auch hier - wie in den anderen Aquarien - auf Leitungswasser umgestellt.