Hallo Community,
weil Jürgen dem Begriff GAU eine neue, ein bisschen weniger dramatische Bedeutung - (grad noch einmal) gut ausgegangener Unfall - gegeben hat und Daniel mit seinem letzten Post neuerlich die Ursachenforschung anspricht ...
Auch mir ist einiges noch nicht klar, aber ausgehend von Ingrids Hinweis auf den Schwefelwasserstoff glaub ich auch an diese Verbindung als Ursache für das Fischsterben.
Jürgen schildert das Einsetzen der Atembeschwerden als unmittelbare Folge der Arbeiten, in deren Zusammenhang im Bodengrund abgelagerter Mulm und vermutlich sauerstofffreies Bodenwasser aufgewirbelt wurden. Das deckt sich mit meiner hier schon geschilderten Beobachtung, wonach der Erstickungstod bei meinem Fisch damals innerhalb von sehr kurzer Zeit erfolgt ist.
Auf Wiki findet sich der Hinweis
Zitat
Die eigentliche Giftwirkung beruht auf einer Zerstörung des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin...
, was die Beobachtung erklären könnte, dass Krebse und Schnecken in meinem Fall damals nicht unmittelbar betroffen waren, weil sie in der Regel Hämocyanin als Blutfarbstoff für den Sauerstofftransport besitzen. Ist das korrekt? (Deshalb war ich auch auf die Nitritvergiftung als mögliche Ursache gekommen, ein bisschen nachlesen bei Armin Glaser hat aber schon geholfen, die geringe Gefahr im Meerwasser zu verstehen :))
H2S ist nach meinem Verständnis nicht die Ursache für Sauerstoffmangel, sondern eine Folge davon. Ist die Bildung von H2S lediglich eine von biologischen Prozessen unabhängige chemische Reaktion (Sulfatreduktion unter anoxischen Bedingungen)?
In anaeroben bzw anoxischen Bereichen sorgen Schwefelbakterien für den Abbau von H2S, weil sie für ihren Stoffwechsel Schwefel statt Sauerstoff veratmen können. Das ist jetzt zwar ein Nebenschauplatz und hat nicht unmittelbar mit dem Problem zu tun, ich möcht das aber anführen mit dem Hinweis, dass begrenzte 'schwarze Stellen' etwa unter Steinen oder in Mulmecken nicht grundsätzlich schädlich sind und so keineswegs Panik auslösen müssen. Man muss halt wissen, was passiert, wenn das Ganze umgerührt wird - sei es durch Tätigkeiten des Aquarianers oder durch neu eingesetzte Tiere. Seht ihr das auch so?
An Sauerstoffmangel infolge Massenvermehrung aerober Bakterien nach dem Aufwühlen des Mulms kann ich nicht glauben, weil selbst Bakterien mit rasanten Vermehrungsraten für die Verdopplung der Population eine halbe Stunde brauchen. Nitrifikanten sind wesentlich langsamer, und die Reaktion der Fische ist sowohl bei Jürgen als auch bei mir sehr rasch erfolgt.
Dass sauerstofffreies Bodenwasser durch die Mischung mit freiem Beckenwasser zu einem gefährlichen Rückgang des Gesamt-O2-Gehalts führt kann ich mir aufgrund der Volumsrelation und des Gasaustauschs bei guter Strömung auch nicht vorstellen.
Als besonders wahrscheinliche Ursache für das Fischsterben wurde NH3/NH4 angeführt. Wenn ich's richtig verstanden hab, greift Ammoniak die Schleimhäute an und beeinträchtigt auf diese Art die Atmung. Daneben gibt es eine neurotoxische Wirkung des Ammoniums, die zum Zelltod führt. Davon mussten aber auch wirbellose Tiere in gleichem Maß betroffen sein, oder?
Für Ammonium als Verursacher spricht, dass der Einsatz von Zeolith rasch Abhilfe gebracht hat.
Allerdings fehlt mir noch die Erklärung, wie NH3/NH4 in so kurzer Zeit entstanden ist.
Ingrid, Jens und Klaus stellvertretend für alle, deren Wissen über das Hobbyniveau hinausgeht: Ich hoff, ihr habt Verständnis für die Hartnäckigkeit, mit der ich das Thema Ursachenforschung verfolge. Ich möcht ganz einfach wissen, was sich in einem solchen Fall bei der Beckenbiologie abspielt.
Dass die Tipps für Sofortmaßnahmen - allen voran Zeolithpulver und Abschäumung - zielführend gewesen sind, ist prima und die eine Sache.
Die andere ist, wirkliche Gefahren von Mythen unterscheiden zu lernen und nach Möglichkeit Risken von vornherein richtig einzuschätzen.
Für die beste aller Methoden halt ich die Prävention.
Liebe Grüße
Linda