Hallo Seegrasfreunde,
ich bin euch - vor allem Hans-Werner, der mir ein paar wertvolle Tipps und auch sonst Unterstützung gegeben hat - noch das Ergebnis der Vergleichs-Wassertests in meinen zwei Becken mit Seegrasbestand bis jetzt schuldig geblieben.
Zur Erinnerung: Bei dem einen Becken handelt es sich um die Seepferdchenkoppel, die im Spätherbst des vergangenen Jahres durch eine Reihe von Fehleinschätzungen meinerseits ziemlich stark aus der biologischen Balance geraten war.
Das andere Aquarium ('Seegraswiese') wurde im Oktober 2014 gestartet und läuft seither stabil.
Beide Becken sind mit feinem Quarzsand (Putzsand aus dem Baumarkt) als Bodensubstrat ausgestattet. In derSeegraswiese ist die Schichtstärke ein wenig höher als in der Pferdekoppel und überdies mit einem Zusatz von Gartenerde versehen.
Der Besatz: 6 adulte H. zosterae und zahlreiche Invertebraten als Mitbewohner in der Pferdekoppel, in der Seegraswiese derzeit etwas mehr als 10 Poecilia reticulata sowie ebenfalls einige Invertebraten.
Filterung: In der Pferdekoppel Außenfilter Eheim 2213 mit Schwammfilteraufsatz und Korallenbruch als Substrat sowie eine Eheim Aquaball-Kreiselpumpe, ebenfalls mit Schwammfilteraufsatz. In der Seegraswiese arbeitet lediglich eine Kreiselpumpe JBL ProFlow 750 mit Schwammfilteraufsatz.
Das Ausgangswasser für beide Aquarien wird mit Wiener Leitungswasser und Standard-Seesalz in einer Salinität von 30 bis 35 psu hergestellt. PO4 und NO3 sind im Leitungswasser nicht nachweisbar, SiO2 dzt. 0,8 mg/l, KH 8°.
Dem entsprechend ist die Alkalinität des frischen Meerwassers mit 18,5° sehr hoch.
Verwendet werden die Tests folgender Hersteller:
NO3 Tropic Marin
PO4 Hanna Phosphat-Checker
Ca/Mg Tropic Marin Kombitest
KH JBL
pH JBL
SiO2 JBL
K Anton Gabriel
Das Ergebnis:
In der Seegraswiese scheint eine biogene Entkalkung stattzufinden, denn dort konnte ich nach ein paar Wochen nur mehr 10° KH testen, Tendenz gleichbleibend. Kalkausfällungen auf den Blättern der Seegräser sind jedoch nicht festzustellen. Der pH-Wert liegt über die gesamte Zeit ziemlich stabil bei 8,5. Für interessant halt ich den Silikatverbrauch: 14 Tage nach dem Start lag der Wert bei 0,2 mg/l, weitere drei Wochen später unter der Nachweisgrenze - trotz des Quarzsands als Bodensubstrat. Die Nährstoffwerte sind ebenfalls niedrig, obwohl die Guppies täglich gefüttert werden: Sowohl NO3 als auch PO4 sind nahe der Nachweisgrenze (halt mit der Einschränkung, dass der Hanna PO4-Checker unter 0,4 m g/l als unverlässlich gilt). Ca/Mg wurde zuletzt Anfang Dezember gestestet (368/1.300), allerdings sind diese Werte nicht wirklich aussagekräftig, weil ich aufgrund eines Augen-Handycaps den Farbumschlag nicht gut erkenne und eine Übertritrierung bei Ca zu insgesamt zweifelhaften Ergebnissen führt. Ich glaube aber auch, dass Kalzium und Magnesium in Bezug auf die Seegräser eine untergeordnete Bedeutung haben.
In der Pferdekoppel stellt sich die Situation ganz anders dar. Am 24.11.14 habe ich folgende Testergebnisse ermittelt: Ca 452 mg/l, Mg 1180 mg/l, KH 14,5°, pH 8,5. Die Nährstoffwerte waren wenige Tage zuvor mit NO3 10 mg/l und PO4 1,71 mg/l bestimmt worden und sind infolge eines damals sofort durchgeführten großzügigen Wasserwechsels auf 2/0,6 gesunken. Ursache der hohen Nährstoffwerte scheint der vorübergehende Aufenthalt von 2 Krabbenaugengrundeln gewesen zu sein, die mit ihrer massiven Grabungstätigkeit Nährstoffdepots aus dem Bodensubstrat freigelegt und gleichzeitig die Gräser teilweise verschüttet haben, was zum Absterben mehrerer Pflanzen geführt hat.
Des weiteren habe ich bei einer der Testreihen festgestellt, dass die Alkalinität auf bis zu 18,5° (Maximalwert am 28.11.14) angestiegen war. Das dürfte eine Folge des bereits kümmernden Pflanzenwuchses gewesen sei, ich habe aber als Reaktion vorübergehend den Korallenbruch aus dem Außenfilter entfernt und damit die Beckenbiologie nahezu ruiniert.
Ein zu Jahresende angeschlossenes 12 Liter-Algenrefugium mit einem Sackerl PO4-Adsorber auf Fe-Basis, die neuerliche Befüllung des Filters mit Korallenbruch, Dosierung von ML Special Blend und wöchentliche Wasserwechsel von fast 40% haben die Biologie wieder ins Lot gebracht. Die Nährstoffwerte lagen gestern vor dem Wasserwechsel bei NO3 <1mg/l, PO4 0,15 mg/l, KH 14°.
Silikat liegt auch in diesem Becken nur in geringer Menge vor, zwischen 0,9 mg Anfang Dezember und <0,1 mg zu Jahresende.
Die Ca/Mg-Werte lasse ich hier außer Ansatz, da sie aus den oben genannten Gründen nicht realistisch erscheinen.
Ähnliches gilt für Kalium. Der Test ist für Süßwasser konzipiert, das Wasser für die Probe muss 30fach verdünnt werden, und dann ist wieder gutes Kontrastsehen gefragt, zu dem ich nicht in der Lage bin. Die so ermittelten 450 mg/l erscheinen im Bereich der Norm, aber es ist mehr ein Schätzwert als ein Testergebnis. Von 'Messung' sprech ich ganz bewusst nicht 
Schlussfolgerungen:
Hans-Werner hat in einem seiner Posts zu Thema berichtet, dass Seegrasbiotope überwiegend oligotroph sind, also mit einem durchschnittlichen bis geringen Nährstoffgehalt. Vermutlich sind die Pflanzen selbst dafür verantwortlich, da die Biomasse von Seegraswiesen eine ernorme Reinigungsleistung erbringen kann.
Der Hauptverursacher von Wachstumsproblemen bei Seegräsern scheint Phosphat zu sein, das in hoher Konzentration die Nährstoffkonkurrenz (v.a. Cyanobakterien) begünstigt. Weiters ist der Silikatverbrauch evident, was darauf schließen lässt, dass Silizium für Seegräser ein sehr wichtiges Makroelement ist.
Die Alkalinität dürfte angesichts der Vergleichsdaten und der bei gutem Pflanzenwuchs offenbar stattfindenden biogenen Entkalkung eine untergeordnete Rolle spielen.
Liebe Grüße
Linda