Hallo Anke,
keine Sorge, dass nur wir 2 übriggeblieben sind
Neben Andi und Knut gibt's auch bei uns (zumindest) noch 2 weitere Aquarianer, die sich um den Erhalt der Seegrasponies in den heimischen Aquarien bemühen. Bis auf Knut schreibt halt von denen hier keineR mehr.
24 Tiere sind eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass die Vemehrungsrate damit exponenziell steigt und die Versorgung mit geeigneter Nahrung damit zur Herausforderung werden kann.
Dass Fehlbildungen eine Folge andauernder Inzucht sind liegt zwar nahe, bestätigen kann ich das mit eigenen Erfahrungen aber nicht. Das liegt möglicherweise daran, dass ich schwache Tiere nicht um jeden Preis großziehe. Damit werden nachteilige genetische Veränderungen nicht ungebremst weiter vererbt. Allerdings fällt mir schon hin und wieder ein neugeborenes Fohlen mit Bewegungsstörungen oder körperlicher Deformation auf, nur wird das halt immer recht schnell Opfer der Borstenwürmer, die ich auch in der Aufzuchtbox angesiedelt habe. Schön find ich den Gedanken daran nicht, aber es ist die notwendige Selektion, um einen gesunden Bestand zu erhalten. Die Angst vor Inzucht halt ich unter diesem Aspekt für unbegründet. Auch die Darwinfinken haben sich aus ein paar wenigen Exemplaren entwickelt und betreiben 'Inzucht' seit mehr als hundert Jahren.
Deiner Schilderung nach glaub ich in deinem Fall eher an Frühgeburten, was angesichts der geringen Alters deiner Tiere nicht ungewöhnlich wäre. Dazu hat Knut hier eine recht detaillierte Dokumentation verfasst.
Was die Fütterung deiner Herde angeht: Natürlich sind Copepoden im Vergleich zu Artemianauplien die bessere Wahl. Vorausgesetzt, man hat genug davon. Ich verfüttere in der Aufzuchtbox sowohl Artemien als auch calanoide Cops aus den Portionsbeuteln und für die Kleinsten Tisben. Letztere werden halt schnell zur Mangelware.
Weil du gemeint hast, dass ich nicht jedes Problem so bierernst nehm ... Ja, das stimmt, und für viele Herausforderungen der Vergangenheit (Hydroiden, Flohkrebse, Schlangensterne, Glasrosen etc.) gibt's inzwischen Lösungen. Was bleibt ist die möglichst humane Begrenzung der Vermehrung der Ponies selber. Die Bestandserhaltung (mit einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis) auf der einen Seite und die Futterversorgung auf der anderen sind die Themen, die mich nach wie vor auf Trab halten. Aussterben soll die Herde nicht, aber mehr als 40 Tiere kann ich nicht ausreichend versorgen. Am Liebsten ist es mir, wenn das Pferdchenbecken - so wie jetzt die Seegraswiese - mehr oder weniger ein Selbstläufer ist. Das geht halt nur mit einem sehr geringen Ponybestand von 10 Tieren auf 60 Liter, ein bissl mehr verträgt das System vermutlich, sobald die Wiese dichter geworden ist. Dann aber muss eine Möglichkeit zur Limitierung gefunden werden ohne dass die möglichen Prädatoren den Bestand gefährden. Da gibt's noch einiges zu lernen.
Jetzt aber geh ich erst mal schlafen, morgen ist ja Tag der Arbeit 
Auch dir einen schönen Feiertag & liebe Grüße
Linda