Marubis e.V. Korallenriff Meerwasserlexikon Mrutzek Meeresaqiaristik Interessengemeinschaft für marine Nachzuchten - IFMN www.meerwasserforum.info

Acanthurus sohal frisiert Seeigel

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Hallo Torben,

      vielleicht hat er etwas zwischen den Zähnen und nutzt die Stacheln als Zahnstocher? :D
      Nee, bestimmt nicht.
      Da aber die verschiedensten Arten der Doktorfische mit zunehmendem Alter in der Gefangenschaft auch carnivoren Gelüsten nicht abgeneigt sind, was sicherlich auch in der Natur zu ihrer Entwicklung gehört, möchte ich nicht ausschließen, dass diese Verhaltensweise nicht unbedingt eine Verhaltensstörung ist, sondern die Reaktion auf Mangel an bestimmten Stoffen. Vielleicht will er an die fleischigen Saugfuesschen?
      Dein Becken ist gross genug um den enormen Bewegungsdrang des Fisches nicht einzuschränken, sodass eine psychische Störung unwahrscheinlich ist. Ab und an ist auch Langeweile ein Punkt, der beachtet werden sollte. Fällt bei deiner vielzaehligen Fischgesellschaft ebenfalls flach.
      Gruss
      Hajo
      Trenne dich nicht von deinen Illusionen!
      Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren,
      aber aufhören zu leben.
      (Mark Twain)
    • Neu

      Hallo Torben,

      Doktorfische gehen gerne gegen Nahrungskonkurrenten vor. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er den Seeigel als Nahrungskonkurrenten erkannt hat und ihn nun los werden will. Für mich sieht das sehr nach einem Versuch aus, den Nahrungskonkurrenten zu vertreiben.

      Gruß

      Hans-Werner
      H ><((((°>

      Grau, teurer Freund, ist alle Theorie und grün des Lebens goldener Baum (Mephistopheles)
      GOETHE - Faust 1


      www.photoimpressionismus.de

      Franconia Franca
    • Neu

      Dietmar Schauer schrieb:

      HI Torben,

      vielleicht ändert sich das Verhalten, wenn du einen 2ten kleinen Sohal dazu setzt.

      Mein Gemmatum, übernommen aus einem 40er Würfel hatte auch nicht mehr alle Tassen im Schrank. Mit ein paar gelben Schwestern zum kuscheln und kloppen, ging es ihm bald besser. Sogar das Loch in der Rückenflosse.


      Gruß Dietmar
      Hallo Didi

      Der Sohal ist nicht bekloppt im Kopp. Der ist total entspannt und lässt alle in Ruhe. Ich hoffe ich habe Glück und das bleibt so. In englischsprachigen Foren wurden teilweise Horrorgeschichten berichtet. Ich hoffe ich bleibe verschont und er bleibt wie er ist. Bei einen zweiten Exemplar hätte ich Angst ins Klo zu greifen. Der Sohal bleibt der einzige Acanthurus ohne Partner in meinem Becken. Ich möchte mein Glück nicht noch weiter heraus fordern.

      Gruß Torben
    • Neu

      Hans-Werner schrieb:

      Hallo Torben,

      Doktorfische gehen gerne gegen Nahrungskonkurrenten vor. Ich könnte mir gut vorstellen, dass er den Seeigel als Nahrungskonkurrenten erkannt hat und ihn nun los werden will. Für mich sieht das sehr nach einem Versuch aus, den Nahrungskonkurrenten zu vertreiben.

      Gruß

      Hans-Werner
      Hallo Hans-Werner,

      im ersten Moment fand ich deinen Einwand logisch. Dann fiel mir jedoch ein dass ich noch diverse andere Acanthurus habe. Dazu noch mehre Naso und 19 Zebrasoma. Auch ein Ctenochaetus. Die sollten dann vermutlich alle vor dem Seeigel dran sein. Der Sohal ist aber wie gesagt lammfromm.

      Gruß Torben
    • Neu

      Hallo Torben,

      nicht unbedingt. Die Doktorfische unterteilen sich (mindestens, bin jetzt nicht ganz sicher) in Algen- und Detritusfresser. Ctenochaetus ist ein ganz typischer Detritusfresser. Im Grunde kämmt er mit seinem Kamm-Gebiss Detritus aus den Algen. Oft ist tatsächlich der Detritus der nahrhaftere Anteil gegenüber den Algen. Es gibt ein paar Artikel, in denen die Unterschiede ganz gut aufgedröselt und beschrieben werden. Die Anfeindungen/Toleranzen sind da oft ziemlich spezifisch.

      Außerdem hat er mit den anderen Doktorfischen vielleicht "Waffenstillstand" und konzentriert sich gerade auf den Seeigel. Optisch sieht mir das Video jedenfalls mehr nach Vertreibung als nach Fressattacke aus.

      Gruß

      Hans-Werner
      H ><((((°>

      Grau, teurer Freund, ist alle Theorie und grün des Lebens goldener Baum (Mephistopheles)
      GOETHE - Faust 1


      www.photoimpressionismus.de

      Franconia Franca
    • Acanthurus sohal frisiert Seeigel

      Neu

      Hallo HW

      Das wäre zu hoffen. Außerdem würde für deine Vermutung noch die Tatsache sprechen dass nur dieser Seeigel, der Algen frisst, angegangen wird. Die anderen scheinen hauptsächlich Kalkrotalgen zu verspeisen. Auf jeden Fall nehme ich aus dieser Diskussion mit dass ich noch mehr Ctenochaetus benötige. Detritus lagert sich gerne direkt vor den Strömungspumpen ab.

      Gruß Torben
    • Neu

      Hallo zusammen,

      ich denke nicht, dass eine Vertreibung im Vordergrund steht.
      In der Natur finden wir Docs und Seeigel zusammen in einem Biotop. Man kennt sich seit Beginn der Evolution. Man weiss auch um die teils giftigen Stachelspitzen der Igel. Warum sollte ein Doktorfisch das Risiko eingehen, eine für ihn zumindestens unangenehm ausgehende Situation zu provozieren?
      Attacken beginnen in solchen Fällen (Vertreibung) mit Schlägen des Schwanzes . In härteren Fällen wird auch mal nach dem Gegner geschnappt.
      Meine Kaiser attackieren hin und wieder auch die Seeigel. Nicht die Stacheln, sondern die kleinen Saugfüsschen haben es ihnen angetan. Das ist keine permanente Belästigung und schon gar nicht eine Tätlichkeit mit dem Ziel einer Vertreibung. Es ist der Reiz auf Unbekanntes. Es könnte ja etwas Fressbares sein. Die Igel fuchteln in diesen Fällen wie wild mit ihren langen Stacheln, bis die Vorsicht überwiegt und das Interesse der Fische nachlässt. Hier würde ich auch die Neugier ausschliessen, denn beide Tierarten sind sich jahrelang in den ausgetretenden Pfaden der Beckenwelt begegnet. Ich würde die Reaktion des Sohal als eine Mischung aus Neugier und Reiz auf relativ Unbekanntes (Fressbares) deuten, gemischt mit einer Portion Ungeduld.
      Gruß
      Hajo
      Trenne dich nicht von deinen Illusionen!
      Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren,
      aber aufhören zu leben.
      (Mark Twain)
    • Acanthurus sohal frisiert Seeigel

      Neu

      Was mich irritiert ist dass der Fisch so dermaßen gekonnt und routiniert die Stacheln Stück für Stück abbeißt. Es sieht für mich eher wie angeborenes Verhalten beim Sohal aus als zufällig tierspezifisch erlernt. Das trau ich einen Fisch einfach nicht zu. Der Seeigel wird jedenfalls sehr schnell und versucht natürlich zu fliehen. Vielleicht hat der Sohal tatsächlich in Laufe der Evolution gelernt auch derartig geschützte Futterkonkurrenten zu vertreiben.

      Gruß Torben
    • Neu

      Hallo Torben,

      das Verhalten deines Sohals ist keineswegs alleinstehend. Es gibt Beobachtungen unter Aquarienbedingungen mit Acanthurus coeruleus, Acanthurus leucosternon und Paracanthurus hepatus.
      Leider sind diese Berichte nur kurz angerissen und nicht weiter vertieft worden.
      Gruss
      Hajo
      Trenne dich nicht von deinen Illusionen!
      Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren,
      aber aufhören zu leben.
      (Mark Twain)
    • Neu

      hajo schrieb:

      Hallo Torben,

      das Verhalten deines Sohals ist keineswegs alleinstehend. Es gibt Beobachtungen unter Aquarienbedingungen mit Acanthurus coeruleus, Acanthurus leucosternon und Paracanthurus hepatus.
      Leider sind diese Berichte nur kurz angerissen und nicht weiter vertieft worden.
      Gruss
      Hajo
      Hajo das würde den Verdacht auf angeborenes Verhalten erhärten. Vielleicht kommt in den nächsten Tagen mehr zu dem Thema.

      Gruß Torben
    • Neu

      Torben schrieb:

      Hallo HW

      Das wäre zu hoffen. Außerdem würde für deine Vermutung noch die Tatsache sprechen dass nur dieser Seeigel, der Algen frisst, angegangen wird. Die anderen scheinen hauptsächlich Kalkrotalgen zu verspeisen.
      Der Diadem (einen Vertreter dieser Art vermute ich einmal) ist omnivor veranlagt und keineswegs ein reiner Algengaenger. Er macht sich auch über Kalkrotalgen her, und leider zum Leidwesen einiger Aquarianer auch hin und wieder über coralline Lebewesen. Das hat er auch gemein mit vielen seiner anderen Brüder und Schwestern.
      Als Nahrungskonkurrenz müsste er (Sohal) dann alle vorhandenen Seeigel erkennen und nicht nur eine bestimmte Art.
      Gruss
      Hajo
      Trenne dich nicht von deinen Illusionen!
      Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren,
      aber aufhören zu leben.
      (Mark Twain)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von hajo ()

    • Neu

      hajo schrieb:

      In der Natur finden wir Docs und Seeigel zusammen in einem Biotop. Man kennt sich seit Beginn der Evolution. Man weiss auch um die teils giftigen Stachelspitzen der Igel.

      hajo schrieb:

      Es ist der Reiz auf Unbekanntes. Es könnte ja etwas Fressbares sein.
      Hallo Hajo,

      Du solltest bei Deinen Argumentationen etwas mehr auf Konsistenz achten. Kennen sie sich nu oder nich ...?

      Ich habe mal gesehen, wie Drückerfische absichtlich verfütterte Seeigel angehen. Das sieht anders aus. Wenn er an die Füßchen ran will, weshalb dann von der Seite, wo die Stacheln am längsten und die Füßchen am kürzesten sind?

      In einem offenen Lebensraum wäre der Seeigel längst aus der Reichweite des Sohal verschwunden, lange bevor der die Stacheln weit genug abbeißen kann. Das mit den Füßchen macht irgendwie nicht richtig Sinn.

      Gruß

      Hans-Werner
      H ><((((°>

      Grau, teurer Freund, ist alle Theorie und grün des Lebens goldener Baum (Mephistopheles)
      GOETHE - Faust 1


      www.photoimpressionismus.de

      Franconia Franca
    • Neu

      moin,

      noch was.

      in der regel sind viele seeigel nur während der dunkelphase unterwegs.

      tagsüber sitzen sie in ihren löchern und spalten.
      ansonsten
      gruss
      joe

      korallenfarm.de H
      "ULTRA-C o r a l s - made in Germany"
      der weg ist das ziel!
      theorie ist: wenn man alles weis und nichts funktioniert.
      praxis ist: wenn alles funktioniert und keiner weis warum.
    • Neu

      Hallo Hans-Werner,

      auf meine Kontinenz achte ich schon.... :D

      Wann und wie soll ein Acanthurus gelernt haben mit einer artfremden Futterkonkurrenz umzugehen? Vielleicht bei extremster Nahrungsknappheit? Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass beim Einfallen der Schulen in das Riff, sich umständlich mit den Seeigeln um die Weidegründe gestritten wird. Da wird sich nicht lange aufgehalten - Ratzfatz zum nächsten Riffabschnitt und weiter. Wobei die Tagesaktivitäten von Seeigeln und Doktorfischen auch zeitlich auseinander liegen.
      Drücker sind eine andere Fakultät. Die anatomischen Voraussetzungen sind grundverschieden, was z. B. Maul und Kiefer angehen. Der Drücker ist der natürliche Feind der Seeigel. Der Acanthurus könnte das im Laufe der Evolution erlernt haben.
      Der Seeigel wird vom Drücker entweder durch Anblasen zur Seite gekippt, sodass er über die Mundseite an die Innereien kommt.
      Versteckt lebende Seeigel werden ebenfalls erbeutet. Gelingt es nicht, sie aus dem Unterschlupf zu ziehen, werden die Stacheln bis zu den dicken Enden abgebissen, bis der Seeigelkörper herausgezogen und von oben aufgefressen werden kann. Dieses gezielte und systematische Vorgehen spreche ich bei einer reinen Futterkonkurrenz einem Acanthurus ab.
      Aber vielleicht gibt es noch andere Vermutungen zu diesem Thema?
      Da dieses Vorgehen nicht alleine dem Sohal zugeschrieben werden kann, es gibt ähnliche Reaktionen anderer Acanthurus-Arten, allerdings nur unter Aquarienbedingungen, kann man nur vermuten und nichts Schlüssiges beweisen. Für mich ist es gut möglich, dass der Sohal, wie viele andere Meeresfische auch, Seeigelfleisch als Nahrung bevorzugt. Magenuntersuchungen an vielen anderen Fischarten haben das bestätigt. Meiner Meinung nach erkennt der Fisch den Seeigel nicht als Konkurrenz zum Futter, sondern als Teil seiner Nahrung.
      Gruß
      Hajo
      Trenne dich nicht von deinen Illusionen!
      Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren,
      aber aufhören zu leben.
      (Mark Twain)
    • Neu

      Hallo Hajo,

      Du kennst Dich mit der Biologie des Sohal sicher besser aus, ich kann nur Wikipedia zitieren:
      "Als junger Fisch lebt der Arabische Doktorfisch entweder als ein Einzelgänger oder in Vergesellschaftung mit Jungfischen der Arten Goldtupfen-Doktorfisch und Brauner Borstenzahndoktor.
      Als ausgewachsene Fische bildet die Art Haremsreviere. Mehrere Weibchen leben in eigenen kleineren Revieren; ein einzelnes männliches Tier patrouilliert auf festen Schwimmbahnen diese Reviere und verteidigt sie gegenüber Artgenossen."
      Was sagt denn Deine Literatur?

      Die meisten Doktorfische, die Freß-Patroullien bilden ("browsing"), tun das meines Wissens nur zeitweise, die meiste Zeit sind sie meines Wissens reviertreu. Und Doktorfische reagieren grundsätzlich aggressiv gegenüber Nahrungskonkurrenz im Revier, wie ganz viele andere Rifffische auch. Im Riff ist immer Nahrungsknappheit, die Reviere sind schon so aufgeteilt.

      Ich bin etwas erstaunt, dass die Fische hier für so wenig intelligent gehalten werden, so dass sie nicht erkennen können, wenn ein Nahrungskonkurrent im Revier unterwegs ist, es sei denn, es ist genetisch in ihren Instinkten programmiert. In Eichstätt haben wir mal einen Versuch gemacht: Wir haben uns gefragt, wem die Fische folgen, ob sie den Pfleger persönlich kennen, immerhin war im Museum auch viel anderer Publikumsverkehr. Also ging ich mit den bunten Futterbechern zum Aquarium und mein Kollege ohne Futterbecher. Die Fische folgten mir. Dann habe ich die bunten Futterbecher meinem Kollegen gegeben und, siehe da, die Fische folgten den bunten Futterbechern, aus denen das Futter ins Aquarium fällt. Also, so schlau sind sie, mindestens(!), auch ohne genetische Programmierung.

      Um das Abbeißen der Stachel als zielgerichtet, um an die Füßchen oder die Innereien des Seeigels zu kommen, anzunehmen, müsste dieses Verhalten wenigstens ab und zu von Erfolg gekrönt sein. Das scheint mir relativ unwahrscheinlich, wenn er es selbst im Aquarium noch nicht gepackt hat. Willst Du das abwarten?

      Gruß

      Hans-Werner
      H ><((((°>

      Grau, teurer Freund, ist alle Theorie und grün des Lebens goldener Baum (Mephistopheles)
      GOETHE - Faust 1


      www.photoimpressionismus.de

      Franconia Franca
    • Neu

      Hallo Hans-Werner,

      Fische sind zwar nicht besonders schlau, aber sie wissen genau, wo das Futter herkommt. :D Neuankömmlinge lernen es schnell am Verhalten der Alteingesessen und je nach angeborenem Angstverhalten und artspezifischer Vorsicht finden sie sich vor der Scheibe ein.
      Deinen Versuch mit den Dosen haben sicherlich schon etliche Aquarianer praktiziert. Allerdings ist wohl dabei nicht die Farbe der Dosen entscheidend, sondern die Dose als Behälter überhaupt. Meine Teichfische verhalten sich ähnlich.
      Die Fische kennen genau den Platz, an dem sich die Futterdosen befinden. Nämlich rechts oberhalb der rechten Beckenseite, auf einem Regal. Meine Bewegungen vor dem Becken werden zwar registriert, scheinbar ohne grosses Interesse. Mehrere Personen vor der Scheibe führen zu schreckhaftem Verhalten, da bei der Speisung der ganze Haufen mehr als eine Person nicht gewohnt ist. Dieses Verhalten konzentriert sich also in Erwartung von Futter nur auf eine einzelne Person. Erwartung heisst hier aufmerksame und höchst konzentrierte Beobachtung der Situation vor dem Becken.
      Auf- und Abgehen der Einzelperson vor dem Becken wird ohne grossen Enthusiasmus registriert. Doch wenn mein Arm in Richtung oberes Regal geht, setzt die ganze Meute zum Sprint an die Wassergrenze an. Die Reizsituation entsteht primär nicht über die Dosen, sondern über den Griff nach ihnen. Diese Armbewegung ist endlos reproduzierbar und funktioniert im Ergebnis sogar ohne Dosen an anderer Stelle. Weniger beim Öffnen der Unterschränke. Die Fische haben gelernt, dass dort nichts zu holen ist. Soweit zu diesem Thema.....
      Ich hatte eingangs schon bedauert, das es nur sehr spärliche Berichte über dieses seltsame Verhalten von Doktorfischen gibt. Vielleicht ist mehr bekannt, doch mir nicht zugänglich.
      Warum eigentlich nur bei Acanthurus-Arten und nicht auch bei Zebrasoma & Co.? Diese Art ist doch eher stärker an das Riff gebunden, als die Mitglieder grosser Schulen?
      Diese Aktionen fussen leider nur auf Aquarienberichten, die diese Merkwürdigkeiten bereits früher unbefangen an den Tag brachten und Ergebnisse nicht weiter verfolgt wurden. Ist das nur Zufall unter Aquarienbedingungen und/oder Frust von besonders bewegungsfreudigen Fischen?
      Innerartliche, sowie zwischenartliche Attacken (Kampfverhalten auslösende Schlüsselreize) unserer Flossenträger sind allseits bekannt und nicht selten im Aquarium zu beobachten.
      Richtigerweise beschreibst du z. B. die Haremsstruktur des Sohals in einem Revier, dass es zur Arterhaltung zu verteidigen gilt.
      Da das Revier gross, die Strecken lang und die Konkurrenz allgegenwärtig ist, scheint es mir nicht schlüssig, ob der Fisch auch noch den Drang verspürt eine artfremde „Konkurrenz“ aus seinem Territorium zu vertreiben. Die sich dummerweise auch noch tagsüber schwer zugänglich in Spalten des Riffs versteckt.
      Ich möchte mich in meinen Betrachtungen nicht auf den Sohal festlegen, da ander Acanthurus ja ebenfalls dieses Verhalten zeigten. Der Sohal ist in Brandungszonen und oberen Riffabschnitten unterwegs. Deswegen sein ausgeprägter Bewegungsdrang. Warum in seinem strömungsreichen Revier gerade gezielt Diademseeigel als Nahrungskonkurrenz attackieren wollen, wo doch diese Art ruhige Zonen beheimatet und auf jede starke Stömung unangenehm reagiert? Macht für mich im Augenblick keinen Sinn.
      Obwohl man in den Mägen Dutzender Fischarten (allein in der Karibik mehr als 27 Arten) Reste von Seeigeln gefunden hat, die keineswegs nur den Gelüsten von Drückern oder grossen Lippfischen zugeordnet wurden, wäre solch ein Fressverhalten bei bestimmten Doktorfischen vielleicht nicht ganz auszuschliessen. Man kann es nur vermuten, da das Vorgehen eine gewisse Sytematik zu beeinhalten scheint. Oder zeigt das doch nur eine weitere Stufe der Aggressivität unter den Bedingungen von Gefangenschaft und Einengung in einem geschlossenen System?
      Meine Kernfrage ist viel einfacher Natur: Zeigen die Aquarienbeobachtungen beginnende Verhaltenstörungen oder zeigen sich hier natürliche Aktivitäten?
      Zeitlebens habe ich Doktorfische gepflegt. Acanthurus, Zebrasoma, Ctenochaetus, Naso. Mit Seeigel-Gesellschaft und auch ohne. Diese Attacken sind mir fremd. Weniger fremd sind Attacken der eigentlichen Nahrungskonkurrenten untereinander. Es muss noch nicht einmal die gleiche Art betreffen. Die Begegnung von Ctenochaetus mit einigen Blenniden kann ebenfalls zu Dramen führen. :(
      Gruß
      Hajo
      Trenne dich nicht von deinen Illusionen!
      Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren,
      aber aufhören zu leben.
      (Mark Twain)
    • Neu

      Hallo Hans-Werner,

      ich brech mir keinen Zacken aus der Krone, wenn ich nicht auch andere Meinungen zu diesem Thema akzeptieren würde. :whistling:
      Einigen Berichten zufolge sind die Häufigkeit und Weideaktivitäten von pflanzenfressenden Fischen und Diadem-Seeigeln wie eine Wippe zu sehen. Hohe Diadem-Dichten unterdrücken die Dichten von pflanzenfressenden Fischen und deren gesamter Population im Riff. Und umgekehrt. Beide Arten haben eine ergänzende Rolle in der Kontrolle von Algen bezw. Aufrechterhaltung der Bioversität in den verschiedenen Riffabschnitten. Das bringt mich zum Sohal.
      Territorial veranlagten Fischen gelingt es stellenweise durch aggressives Vorgehen, sich die pflanzenfressende Konkurrenz vom Leibe zu halten. Manche Riffbarsche verteiben auf diese Art Seeigel aus ihren Revieren , indem sie diese durch permanentes Zupfen an den Stacheln in die Flucht schlagen.
      Das Gebiet von A. sohal wird ebenfalls gegen pflanzenfressende Eindringlinge verteidigt, wobei das in erster Linie wohl Artgenossen und Papageifische etc. sind. In letzter Instanz könnten es aber auch Seeigel sein.
      Das hat den Berichten aber zufolge, dass innerhalb des zu kontrollierenden Gebietes die Algenpopulation zunimmt, was negative Folgen für manche Korallenart darstellt.Wogegen in den Gebieten ausserhalb des Territoriums, die Algen sich dem Frassdruck der vielzähligen Konkurrenz nicht entziehen können. Es sieht so aus, dass in diesem Fall der Sohal, es könnte auch eine andere Art aus der Familie der Acanthuridae sein, seine natürlichen „Aufräumarbeiten“ unter den Pflanzenfressern so konsequent erledigt, dass diese Strategie in seinen Genen verankert ist und er dieses aggressive Verhalten auch im Aquarium nicht verlernt.
      Gruß
      Hajo
      Trenne dich nicht von deinen Illusionen!
      Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren,
      aber aufhören zu leben.
      (Mark Twain)
    • Neu

      Hallo Hajo,

      vielen Dank für die Recherche, und schön, dass wir da zusammen zu kommen scheinen. :wink

      Nur, bitte die Fische nicht unterschätzen: Das mit dem Futter zeigt, dass die Fische gute und genau Beobachter sind. Der Acanthurus ist in der Lage, das Verhalten des Seeigels zu interpretieren und ihn als Nahrungskonkurrenten zu erkennen, davon bin ich fest überzeugt. Der braucht dafür seine Gene nicht, nur sein Gehirn! :)
      Edit: Es ist eine sehr anthropozentrische Sichtweise, die Funktion einen Gehirns ausschließlich an seiner Größe festzumachen. Das ist ein Luxus der Säuger. Vögel beweisen, dass auch sehr kleine Gehirne äußerst leistungsfähig sein können, so wie ein Taschenrechner heute in eine Hosentasche passt und mehr Leistung hat als die Zuse-Rechner. Auf die Verschaltung kommt es an!

      Ich habe auch etwas über den Acanthurus lineatus (Lesezugang möglich), der Schwesterart, gefunden: Er greift nicht alle Demoisellen an, aber algenfressende Demoisellen wie Stegastes apicalis (im Artikel noch als Pomacentrus apicalis) schon.

      Gärtner-Demoisellen töten sogar Korallen ab, um ihren Algenrasen anzulegen oder zu erweitern. Die sind also nicht alle am Schutz und Überleben der Korallen interessiert.

      Gruß

      Hans-Werner
      H ><((((°>

      Grau, teurer Freund, ist alle Theorie und grün des Lebens goldener Baum (Mephistopheles)
      GOETHE - Faust 1


      www.photoimpressionismus.de

      Franconia Franca

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Hans-Werner ()

    • Benutzer online 1

      1 Besucher