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Eingewöhnungs- bzw. Quarantäne-Becken

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    • Eingewöhnungs- bzw. Quarantäne-Becken

      Hallo Zusammen,

      ich möchte auf Grund der aktuellen Beitrages von Peter (Jetzt hat es mich erwischt!) noch einmal dieses Thema in einem neuen Thread aufmachen, um den Beitrag nicht zu verwässern.

      Insbesondere @hajo hat ja schon insgesamt viel zu dem Thema geschrieben, aber dennoch gibt es noch einiges was mich interessiert.

      Zunächst einmal stelle ich mir die Frage, ob die typischen Reisekrankheiten (wie Pünktchen) auch bei Nachzuchttieren auftreten, oder ist das Effekt, den man eigentlich nur bei Importen feststellen kann?

      Mich interessiert auch wie andere das Problem genau umsetzen? Läuft bei Euch immer für den Notfall ein unbesetztes Becken mit, was dann bei Bedarf besetzt wird?

      Ich plane z.B. in Kürze noch einmal eine Gruppe von etwa 8 Fischen einzusetzen und dann ggf. in der zweiten Jahreshälfte noch einmal die gleiche Menge. Empfiehlt es sich dann, dass Becken nur kurzfristig für diesen Zweck zu nutzen bzw. anzusetzen (z.B. mit Aquarienwasser)? Welche Technik ist dann zwingend notwendig um das auch erfolgreich zu machen und den Fischen auch in dieser Phase ein möglichst gutes Umfeld zu bieten? Welche Art der Beleuchtung ist ausreichend und was ist z.B. mit Abschäumung? Schließlich sollen die Neuankömmlinge ja auch gefüttert werden. Oder ist das zu vernachlässigen und für die 1 - 2 Wochen ist ein einfaches Becken mit Strömungspumpe, Heizung und einfacher Beleuchtung vollkommen ausreichend? Reicht dann für diese Aufgabe und Funktion ggf. sogar ein einfaches kleines Komplettaquarium mit vielleicht 30-60 Litern aus? Fragen über Fragen....

      Schöne Grüße

      Ralf
    • Zum besseren Verständnis dieses Themas habe ich unten noch einmal meine damalige Stellungnahme zu diesem Thema kopiert:

      Hallo zusammen,

      entgegen jeder anders lautender Kritik bzw. Empfehlung bin ich ein absoluter Befürworter eines so- genannten „Durchgangbeckens“. Ich würde es heute als solches bezeichnen, da im Gegensatz zu den früheren Quarantänebecken, wo als ständige Prophylaxe rigoros allen Neuankömmlingen vorbeugend eine Kupfer- oder Masotenkur verordnet wurde, heutzutage diese Art von Becken u. a. der Akklimatisation und dem Stressabbau dienen.
      Die gelegentlich vorgebrachte Behauptung, die Unterbringung der Fische in solchen Becken erzeuge für die Tiere gewaltigen Stress, kann ich so nicht teilen. Es kommt nur darauf an, wie der Fisch sein neues Zuhause vorfindet. Die Quarantänebecken früherer Jahre gaben nichts anderes her, als Wasser+Medikamente+Fisch. Wer solche Aquarien noch vor Augen hat, dem stimme ich zu. Diese Methode ist aber weitgehend überholt.
      Heute bietet man dem Neuankömmling ein genügend großes Becken, gedämpftes Licht, Ruhe und einige Versteckmöglichkeiten, wie Höhlen und Unterstände, in die er sich zurückziehen kann, wenn die anfängliche Scheu überwiegt. Wer sich z. B. beim Händler seines Vertrauens öfter umschaut, wird feststellen, dass selbst in kleinsten Becken die Insassen oft an die Scheibe kommen, um den Schatten davor neugierig zu betrachten. Der Grund für dieses unaufgeregte Verhalten sind die kleinen Rückzugsgebiete, wie Deko oder z. B. ein Blumentopf, oder gar der in einer hinteren Ecke eingehängte Heizstab, der kleineren Tieren einige Sicherheit und die Möglichkeit zum sofortigen Verschwinden bieten kann.
      Genau diese Sicherheit müssen wir dem Tier in seinem vorläufigen Zuhause bieten. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Nur sollte man darauf achten, dass im Falle einer doch eintretenden Infektion, die Einrichtung auch der Chemie der Medikamente standhält. Also keine Niederen als „Gesellschaft“ und auch keine Caulerpa oder ähnlichen algigen Bewuchs. Möglichst "steril" mit einer Versteckmöglichkeit, einer moderaten Wasserbewegung und gedämpftes Licht machen den meisten Sinn.
      Die Alternative hierzu wäre die sofortige Konfrontation mit der etablierten Fischgesellschaft, die in keinem Fall günstig für einen Stressabbau verlaufen wird. Ganz im Gegenteil.
      Das durch Fang und Transport geschwächte Tier wir hier noch mehr gestresst, da es parallel zu einem geschwächten Immunsystem auch noch die Hackordnung der Alteingesessenen durchlaufen muss. In dieser Zeit ist der Fisch besonders anfällig gegen Infektionen. Das alles kann ich dem Tier ersparen, wenn ich es vorher in einem separaten Übergangsbecken unter ruhigen Bedingungen eingewöhne. Zusätzlich habe ich noch die einmalige Chance, die Futteran- und aufnahme zu testen, was mir im Gesellschaftsbecken vorerst nicht sofort gelingen wird. Also, alles nur Pluspunkte.
      Dass der Fisch, so er in das eigentliche, neue Zuhause umsiedeln wird, die oben beschriebene Hackordnung durchlaufen muss und sich anpassen wird, ist normal. Aber in diesem Fall hat der Neuankömmling bereits eine gewisse gesundheitliche Stabilität erlangt, die es ihm ermöglichen wird, die Aggressionen der anderen Insassen besser wegzustecken.
      Nach meinen Beobachtungen hat sich die Anzahl der Fischliebhaber im Laufe der letzten Jahre erhöht, was auch die Zunahme der verschiedenen Arten in den Händlerbecken beweist. Auch wird immer öfter nach Wegen gesucht, besonders heikle Fische an das Milieu eines Riffaquariums anzupassen. Wer seinen Schwerpunkt auf das Thema Fisch legt, der sollte sich und den Tieren ein Übergangsbecken gönnen. Diese Investition fängt locker all den Verlust an Tieren und Geld auf, den man im Laufe der Zeit ohne diese Art von Quarantäne bestimmt bekommen wird.
      Gruß
      Hajo




      Hallo Ralf,

      deine Fragen würde ich wie folgt beantworten:

      - Fische sind nicht vor Infektionen jeglicher Art geschützt. Auch nicht Nachzuchten.
      Den einzigen Vorteil, den ich bei Nachzuchten sehe, ist die Robustheit und die Futterfestigkeit.

      - Die Größe eines Übergangbeckens ist von der zu erwartenden Fischzahl und/oder von deren Größe abhängig.

      - Ein AS wäre für die relative kurze Zeit nicht unbedingt notwendig. Ich würde ihn aber trotzdem in Erwägung ziehen. Schon wegen des Sauerstoffeintrages bezw. CO2-Austrags. Auch ist von vornherein die Verweildauer der Neuankömmlinge nicht bekannt. Gesund oder nicht gesund?
      Für eine gute Wasserbewegung muss gesorgt werden.

      - Wer bereits im Ü-Becken eine adäquate UV mitlaufen lässt, ist im Vorteil.


      Beispiel:
      Mein Übergangsbecken hat 140l steht im Keller und ist bestückt mit nur einer Heizung, einer kleinen LED (24W) und einer Strömungspumpe. Kein Bodengrund. Wenige abgestorbene Korallenäste und ein kleiner Blumentopf dienen als Ruhepunkt und als Stressabbau. Momentan dient es jedoch vorübergehend als Auffangbecken für Ableger...... ^^ Ein 2. Becken (trocken) mit knapp 100l steht für den Notfall bereit.
      Kontrolliert wird nur der PH-Wert und die Heizung. Auf den AS habe ich verzichtet, da in der relativ kurzen Quarantänezeit auf einen häufigeren Wasserwechsel zurückgegriffen wird. So halte ich in dem relativ kleinen Behältnis die Wasserwerte stabil, was der Gesundheit meines Neuzugangs bestimmt nicht abträglich ist.
      Das ist in groben Zügen alles, was ich zu diesem Thema beitragen kann. Ich hoffe, alles ist gut nachvollziehbar und meine obigen Zeilen regen zum Nachdenken an.

      Gruß
      Hajo
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      (Mark Twain)
    • Hallo Hajo,

      Du hast mir (wieder einmal) sehr geholfen!!! Per Gelegenheit gebe ich sehr gerne mal ein Bier für die ganzen Tipps aus ;)

      Es ist nun beschlossene Sache - ich werde mir noch ein einfaches Komplettaquarium kaufen und baue das lediglich ein wenig auf den Einsatzzweck um. Da ich durch mein Konzept des Besatzes ohnehin nur relativ kleine Fische einsetze, wird das nicht so gross werden.

      Schöne Grüße

      Ralf
    • Hallo

      es ist ja alles gut und schön Aber ich habe gar nicht den Platz mehr, in meiner 2 Zimmer Wohnung um ein 2.tes Becken auf zustellen.

      Bei mir schwammen aber auch alle Fische schon ein paar Wochen im Gesselschaftsbecken! Wie soll man die rausfangen ohne das gesamte Becken zu zerreisen und auszuräumen um die Kerle zu fangen? Wobei sie sich in so einem Fall sowieso im hintersten Eck verkrümmeln!

      Ich habe das mit der Krankheit aber auch so verstanden, dass der Erreger in jedem Fisch steckt, so wie beim Menschen Herpes, beim einen bricht es aus beim anderen nicht. Auslöser ist sehr oft Stress oder Veränderungen in der Lebensqualität.
      Gruß der Peter
    • Ofshore schrieb:

      Wie soll man die rausfangen ohne das gesamte Becken zu zerreisen und auszuräumen um die Kerle zu fangen? Wobei sie sich in so einem Fall sowieso im hintersten Eck verkrümmeln!
      Für den Fall, dass sie noch fressen - Fischfalle.

      Ist auch stressfreier für das Tier.

      Für den Fall, dass sie nicht mehr fressen, ist meist sowieso schon alles zu spät.

      Viele Grüße,
      Ina