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Bryopsis bekämpfen mit Fluconazol (15 Tage)

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    • Bryopsis bekämpfen mit Fluconazol (15 Tage)

      Jeder der bereits mit Bryopsis eine echte Plage erlebt (hat), wird diese Überschrift für unglaubwürdig halten, zumal ich hier bereits mit einem ähnlichen Artikel zur (erfolglosen) KENT-Anwendung angegeben habe (siehe „Bryopsis Algen erfolgreich bekämpfen in 3 Wochen“). Wie in dem vorgenannten Bericht angekündigt, hatte ich vor zwei Wochen mein Netzwerk hinsichtlich Beckenauflösung kontaktiert und dabei von einem kompetenten Kölle Zoo Fachmann den Hinweis auf eine amerikanische Abhandlung bekommen. Dort wurde beschrieben wie das Medikament „Fluconazol“ gegen Pilzbefall von Fischen eingesetzt und dabei die sehr interessante „Nebenwirkung“ in Bezug auf Bryopsis-Schädigung festgestellt wurde.

      Fluconazol ist ein Human-Medikament zur Behandlung von Pilz-Krankheiten am/im Intimbereich und verschreibungspflichtig. Da es darüber hinaus auch für ähnliche Anwendungen bei Tieren (Hunde) verwendet wird, kann es auch vom Tierarzt verschrieben werden. Fluconazol kann als 50mg- / 100mg- / 150mg- / 200mg-Hartkapsel in Apotheken erworben werden. Eine 200mg-Kapsel ist nicht unter 5 EURO zu bekommen. Bis vor einigen Monaten wurde das Mittel auch als Pulver zu 1/5 des aktuellen Preises verkauft (jetzt nicht mehr). Die Dosierung wird in den von mir recherchierten US-Foren mit 5mg bis 10mg pro Liter angegeben. Der Einsatz gegen die Bryopsis-Alge in Meerwasseraquarien wurde bisher mit (nur) einer Anwendung und einer Wartezeit von durchschnittlich 15 Tagen angegeben. Nebenwirkungen wurden bisher nicht beobachtet. Die Wirkung zielt auf Enzyme ab, so dass Zellwände instabil werden. Zu der Wirkung auf Pflanzen habe ich keine wissenschaftliche Erklärung finden können.

      Ich habe mich für eine Dosierung von 13,3mg/Liter entschieden und diese auf zwei Tage verteilt. Die Dosierung auf netto ca. 600 Liter war demzufolge 2 x 4g (in Summe 8g). Dazu hatte ich je zwanzig 200mg-Kapseln geöffnet (in Summe 40 Kapseln, d.h. ca. 220 EURO), das Pulver mit einer Tasse Beckenwasser verrührt und anschließend im Technikbecken zugegeben. Bis auf eine kurze (10 Min.) Wassertrübung war keine Änderung zu beobachten. Die Dosierung von KH, Ca und Mg hatte ich unverändert weiterlaufen lassen, die Zugabe von Spurenelementen bereits bei der o.g. KENT-Behandlung eingestellt. Die Beleuchtung blieb hinsichtlich Dauer und Intensität unverändert. Bereits nach 3 Tagen war Bryopsis stark angegriffen (Zerfall, Auflösung), besonders dort wo sie viel Licht bekommen. Auf den beiden Fotos kann man die Wirkung nach dem 6. Tag sehen (ggfs. stelle ich in einer Woche noch einmal Fotos ein).





      Nebenwirkungen: Eine Rock Rainbow Anemone ist nach 4 Tagen eingegangen. Die roten und blauen Scheiben veränderten sich nicht und tauchten teilweise nach mehreren Wochen erstmals wieder unter dem vormals dicken Algenteppich auf. Normalerweise muss ich alle zwei Tage die Algentrübung von der Front- und den Seiten-Scheiben entfernen, was sich auf 5 Tage verlängert hat (der Belag ist zudem kaum grün). Algenfressende Turbo-Schnecken bewegen sich nicht (leben aber noch), anderen wie bspw. Kegelfechterschnecken sind normal unterwegs. Der Abschäumer sollte vor der Behandlung gereinigt werden, da sich das Volumen der organischen Abfallstoffe ca. doppelt so schnell auffüllt. Alle Korallen sehen nach meiner (subjektiven) Wahrnehmung unverändert gesund aus. Der Korallen-Stoffwechsel scheint konstant zu bleiben, was indirekt an den täglich unveränderten Werten für KH (8,0), Ca (400) und Mg (1.400 -> KENT-Nachwirkung) auch nach 6 Tagen nachweisbar/erkennbar ist. Die Ergebnisse zu den Tests PO4 (0,04), NO2 (0,04) und NO3 (0,1 -> sehr niedrig da Stickstoff+ Zufuhr eingestellt) blieb in den 6 Tagen auch nahezu unverändert. Empfindliche Filtertiere, Seesterne, Krebse, Garnelen, Krabben und Kalkrotalgen haben sich nicht verändert, fressen und bewegen sich alle wie immer.

      PS: Da ich versehentlich mehr Kapseln als notwendig erworben habe (ich bin irrtümlich von einer mehrtägigen Dosierung bei Pilzbefall ausgegangen) kann ich 5 ungeöffnete Blister (mit je 10 x 200mg-Kapseln, d.h. 2g) verkaufen (Kopie vom Rezept und der Gesamtrechnung werden mitgeliefert). Dazu bitte eine private Mail senden.

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    • Ja, korrekt, bisher wurden mindestens 5 mg/Liter angesetzt und immer eine einmalige Anwendung beschrieben. Für ein Beckenvolumen von 100 Liter sind demzufolge aufgerundet drei 200mg-Kapseln (ca. 20 Euro) erforderlich. Für 500 Liter fünfzehn 200mg-Kapseln (ca. 90 Euro).
      Aufgrund meiner versehentlich höheren Dosierung (13mg/Liter) sollte es weniger oder keine Nebenwirkungen geben. Ob die Wirkung dadurch schneller oder intensiver war, müssen meine „Nachfolger“ ermitteln (wahrscheinlich bin ich der erste Europäer der Fluconazol gegen Bryopsis eingesetzt hat).
    • hi,

      aufgrund der ja nicht 100%ig zu ermittelnden wassermenge gibt es da immer unstimmigkeiten in der dosiergröße.

      weiterhin werden empfehlungen m. e. in der regel immer "unterdosiert" angegeben, um keine "schäden" zu produzieren.

      denke da an concurat l zur strudelwurmbekämpfung. bei den im netzt kursierenden zugabemengen, in verbindung mit der recht schnell abflachenenden wirksamkeit, ist nicht immer der erfolg garantiert.
      ansonsten
      gruss
      joe

      korallenfarm.de H
      "ULTRA-C o r a l s - made in Germany"
      der weg ist das ziel!
      theorie ist: wenn man alles weis und nichts funktioniert.
      praxis ist: wenn alles funktioniert und keiner weis warum.
    • Hier, wie angekündigt, die Fotos nach 14 Tagen Einfluss von Fluconazol auf Bryopsis. Nach wie vor kann ich kaum Nebenwirkungen feststellen und wenn, wie bspw. halbiertes SPS-Wachstum, könnte das eventuell der (verdünnte) Einfluss bzw. die Nachwirkung von der o.g. KENT-Behandlung sein. Zudem hat das allgemeine Algenwachstum erheblich nachgelassen, allerdings nur die GRÜNEN wie der Belag auf Glasflächen, Kugelalgen (vereinzelte Exemplare sind weg) und natürlich Bryopsis.

      Das bedeutet aber auch, dass alle algenfressenden Tiere auf Zusatznahrung, bspw. Frost-Spinat für Fuchsgesicht, pflanzenbasierte Futtertabletten für Turboschnecken etc. angewiesen sind. Ich habe dann heute, nach 15 Tagen, einen 30%-Wasserwechsel (200 Liter) vorgenommen und bin sehr zuversichtlich, dass Bryopsis für mich kein Problem mehr sein wird.



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    • Guten Tag zusammen,

      ich bin neugierig am mitlesen. Ich habe mittlerweile durch die Bryopsis schon richtig die Lust am Hobby verloren. Will gar keine neuen Korallen einsetzten, weil ich nicht weiss wie es weiter geht. Auch eine Magnesium-Erhöhung mit Kent Marine Technologieallianzen M hat nichts gebracht. Ich habe bereits entschieden es mit Fluconazol zu probieren. Die einzige Frage die ich hier habe: Woher bekomme ich das Mittel?

      Liebe Grüße
    • Hallo,

      ich habe mir von unserem Tierarzt ein Rezept ausstellen lassen und damit bekommst du es in der Apotheke. Das Produkt wird von verschiedenen Herstellern mit erheblichen Preisunterschieden angeboten. Ich hatte die Kapseln von Stada, weil sie am günstigsten waren.
      Viel Erfolg!

      VG
      Undine
      Viele Grüße
      Undine
    • Hallo zusammen

      wer es etwas günstiger versuchen möchte als das Fluconazol.

      Eigentlich hilft bei Bryopsis ein hoher Magnesiumwert von ca. 1600 für eine Weile. Da gehen die Bryopsis ein, das können die nicht ab.
      Das mus man ja nicht über das teure fülssige Kent lösen, sondern kann sich alternativen suchen. MG Salze bieten ja genug Hersteller an.
    • Robert Baur schrieb:

      Hallo zusammen

      wer es etwas günstiger versuchen möchte als das Fluconazol.

      Eigentlich hilft bei Bryopsis ein hoher Magnesiumwert von ca. 1600 für eine Weile. Da gehen die Bryopsis ein, das können die nicht ab.
      Das mus man ja nicht über das teure fülssige Kent lösen, sondern kann sich alternativen suchen. MG Salze bieten ja genug Hersteller an.
      Hallo Robert!
      kennst Du einige Becken bei denen das funktioniert hat?
      Servus Reinhard
      _________

      Meeresverein Austria