Marubis e.V. Korallenriff Meerwasserlexikon Mrutzek Meeresaqiaristik Interessengemeinschaft für marine Nachzuchten - IFMN
www.meerwasserforum.info

Angepinnt Buchvorstellung: Dieter Brockmann - Das Meerwasseraquarium

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Buchvorstellung: Dieter Brockmann - Das Meerwasseraquarium

      Liebe User,

      pünktlich zur Interzoo erschien Anfang des Jahres im Natur und Tier – Verlag (bekannt u.a. durch die Fachzeitschrift „Koralle“) ein neues Buch mit dem Titel „Das Meerwasseraquarium“ von Dieter BROCKMANN, der sich in den vergangenen Jahren durch einschlägige Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen einen Namen gemacht hat. Mit der Bitte um Rezension, der ich im Folgenden gerne nachkomme, stellte mir der Verlag ein Exemplar zur Verfügung.

      Sowohl der Untertitel „Von der Planung bis zur erfolgreichen Pflege“, als auch das Vorwort des Autors geben zu verstehen, dass sich die Veröffentlichung vornehmlich an Einsteiger in die marine Aquaristik richtet. Literatur für den Meerwasser-Neuling bietet der Markt durchaus schon seit längerem, z.B. „Riffaquaristik für Einsteiger“ von Daniel KNOP oder „Das Riffaquarium: Praxis für Neueinsteiger“ von Rüdiger LATKA. Was also bietet dieses Buch Neues und wo liegen seine Stärken und Schwächen?

      Inhalt
      Mit einem Vorwort und zwei kurzen Kapiteln führt der Autor in das Thema ein und gibt Informationen zum Leben im natürlichen Korallenriff im Gegensatz zum Leben im Aquarium. Anschließend wird der Inhalt des Buches durch sechs Hauptkapitel strukturiert.
      Im ersten Kapitel „Das Aquarium“ finden sich kurze aber treffende Hinweise zum Aquarium als Glaskörper, zur idealen Größe und zweckmäßigen Aufstellung.
      Es folgt ein ausführliches Kapitel zu technischen Aspekten der Meerwasseraquaristik, also zu Beleuchtung, Strömung und Filterung. Hier sind die Ausführungen des Autors äußerst differenziert, immer darauf bedacht, nicht nur technische Anweisungen zu geben, sondern analog dazu den biologischen Hintergrund zu erläutern. Möglicherweise werden sich einige Leser von den detaillierten Erklärungen zur Chemie und Physik (v.a. im Kapitel „Beleuchtung“) überfordert fühlen, aber zumindest hat so der ambitionierte Leser die Möglichkeit, seinen Horizont über den Aquarienrand hinaus zu erweitern.
      Im Kapitel „Das Meerwasser“ gibt es zum einen Hinweise über die chemische Beschaffenheit des salzigen Elements, mit dem es der angehende Aquarianer zu tun haben wird, zum anderen praxisorientierte Empfehlungen zur Herstellung künstlichen Meerwassers und zum Wasserwechsel.
      Den „wichtigsten Wasserwerten, ihrer Kontrolle und Aufrechterhaltung“, insbesondere der Kalzium-Zufuhr, ist das nächste Kapitel gewidmet.
      Es folgen Ausführungen zur „Einrichtung und Inbetriebnahme des Aquariums“, begonnen bei der Inbetriebnahme der Technik und dem Steinaufbau bis hin zur Einfahrphase.
      Das letzte und bezüglich der Seitenzahl umfassendste Kapitel beschäftigt sich mit den „ersten Tieren für das Meerwasseraquarium“. Grundlegenden Bemerkungen zu Kauf, Eingewöhnung und Fütterung der Tiere ist ein Artenteil angeschlossen, in dem Fische, Korallen und andere Wirbellose für die Aquarienhaltung vorgeschlagen werden.

      Stärken
      Außer Frage steht: Dieter BROCKMANN ist es gelungen, auf nicht einmal 200 Seiten eine umfassende Einführung in die marine Aquaristik zu geben, die in ihrer Detailliertheit einzigartig ist.
      Lobend zu erwähnen ist die systematische Vorgehensweise und übersichtliche Gestaltung, die dem Leser das Verstehen erleichtert. Kennzeichnend ist zudem die differenzierte Art der Präsentation, die nie wie eine Anleitung wirkt, sondern stets darauf abzielt, Zusammenhänge zu veranschaulichen und Möglichkeiten aufzuzeigen. So werden etwa verschiedene Methoden der Filterung vorgestellt, ohne stark zu bewerten oder einem System den Vorzug zu geben. Offensichtlich ist hier das Ziel, den Leser solide zu informieren, anstatt ihn von Anfang an in eine Richtung zu drängen.
      Ebenfalls überzeugend ist die graphische Aufbereitung, die komplexe oder besonders wichtige Inhalte in übersichtlichen Kästen darstellt. Naturwissenschaftliche Erläuterungen, die für den praxisorientierten Aquarianer im Grunde überflüssig sind, jedoch einem umfassenden Verständnis dienen, wurden separat vom Fließtext unter den Überschrift „im Detail“ zusammengefasst, so dass jeder selbst entscheiden kann, wie tief er in die Materie vordringen möchte.
      Gefallen finde ich auch an den Kästen im „was tun, wenn...“-Stil, in denen zu ausgewählten Problemen (z.B. beim Thema „Wasserwerte“) Lösungsmöglichkeiten genannt werden.

      Schwächen
      Was eigentlich eine Stärke ist, nämlich die Ausführlichkeit und Differenziertheit der Aussagen, kann ebenso als Problem des Buches empfunden werden. Möglicherweise wird sich ein blutiger Anfänger von der Fülle der Informationen zunächst erschlagen fühlen und es besteht die Gefahr, dass er in der Darstellung unterschiedlicher Methoden und Techniken nicht den festen Halt findet, den er eigentlich sucht. Wirklich anlasten möchte ich dem Autor diesen Punkt allerdings nicht, denn allen Lesern wird man es mit dem Umfang eines solchen Buches vermutlich nie recht machen können.
      Tatsächliche Schwachpunkte sehe ich hingegen bei den „ersten Tieren“, die im Artenteil empfohlen werden. Während die Auswahl bei den Korallen wohlüberlegt ist, halte ich die genannten Arten bei Fischen und Wirbellosen teilweise für unglücklich. Der Aussage etwa, Seesterne der Gattung Fromia seien ausdauernde Pfleglinge, werden erfahrene Aquarianer vermutlich mit Skepsis begegnen. Bei anderen Arten, z.B. der Tanzgarnele Rhynchocinetes durbanensis, werden wichtige Details – diese Art schädigt häufig sessile Wirbellose – einfach weggelassen.
      Dass ausgerechnet die sogar für die Gattung Doryrhamphus eher anspruchsvolle Seenadel D. multiannulatus als erstes Tier den Artenteil schmückt, erscheint nahezu grotesk. Auch, weil das dazugehörige Bild die verwandte und nur oberflächlich ähnliche Art D. pessuliferus zeigt – ein peinlicher Fehler, den ich in diesem Buch nicht erwartet hätte.
      Insgesamt werden viel zu viele Fische vorgestellt (Kaiser-, Doktor-, Drückerfische), die aufgrund ihrer Lebensweise und zu erwartenden Größe in die wenigsten Wohnzimmeraquarien passen. Eine sorgfältigere Auswahl geeigneter Fische wäre hier wünschenswert gewesen.

      Fazit
      Wer nicht nur möglichst schnell und unkompliziert ein Meerwasseraquarium aufbauen möchte, sondern daran interessiert ist, sich umfassendes Wissen anzueignen und etwas über biologische Zusammenhänge zu lernen, die über die reine Aquaristik hinausgehen, dem empfehle ich das besprochene Buch sehr.
      Vermutlich wird die Lektüre dem Anfänger das Lesen weiterer Bücher und die Beratung durch erfahrene Aquarianer nicht ersparen (dies war mit Sicherheit auch nicht die Intention des Autors), eine gute Basis für den Start in die Meerwasseraquaristik bietet es aber auf jeden Fall. Dank der profunden Ausführungen in den Kapiteln zur Technik, Biologie und Chemie, halte ich die Schwachpunkte im Artenteil für durchaus verzeihlich – unter der Voraussetzung, dass der Leser „Das Meerwasseraquarium“ von Dieter BROCKMANN nicht als Anleitung, sondern als Grundlage zum Erwerb eigenen Fachwissens versteht.

      Viele Grüße,
      Sabine
      Bilder
      • Meerwasseraquarium.jpg

        93,93 kB, 300×406, 1.303 mal angesehen
      Hobby zum Beruf gemacht - daher keine Privatbecken mehr :)
      seaspirits.de
      ________________________________

      Nur was Menschen kennen, können sie lieben.
      Nur was Menschen lieben, werden sie schützen.