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Nahrungsentzug

    • mike11 schrieb:

      habe ich euch richtig verstanden: keine steine mitnehmen und die vorhandenen korallen kann man auch nicht
      irgendwie behandeln? Ist ja ewig schade! ich will sie natürlich auch keinem anderen verkaufen. heißt: ich müsste sie
      tatsächlich entsorgen..
      Hallo Mike,

      damit beziehst du dich vermutlich auf meinen Beitrag. Damit war aber nur gemeint, dass mit der Übernahme von Material aus dem alten in das neue Becken mit Sicherheit Dinoflagellaten eingeschleppt werden. Wie Hans-Werner schreibt lässt sich das aber sowieso nicht verhindern, und Joe hat in einem Beitrag schon vorher völlig richtig gemeint, dass es darauf ankommt, ein dinofreundliches Milieu gar nicht erst entstehen zu lassen.

      Um wieder auf Hans-Werners letzten Beitrag zurückzukommen: Mag schon sein, dass es am Nitrat liegt. Genausogut kann es aber auch Phosphat sein, das von anderen Organismen noch nicht verbraucht wird, weil die einfach nicht in entsprechender Anzahl vorhanden sind.

      Die Rote Tide etwa entsteht in gemäßigten Breiten zu Beginn der Vegetationsperiode, also wenn das im Herbst abgestorbene Material mit den steigenden Temperaturen verarbeitet werden kann. Da sind Schwefelbakterien und Cyanos meist die Ersten, ihnen folgen die Dinoflagellaten.

      Umgelegt auf die Verhältnisse im Aquarium halte ich abgestorbenes Material, das unter sauerstoffarmen Bedingungen von anaeroben Schwefelbakterien abgebaut wird, für die Ursache der Massenvermehrung von Dinoflagellaten.

      Deshalb sind das Auflockern und das Absaugen des Bodengrunds und der Steine, die Entfernung größerer Mulmnester und häufigere Wasserwechsel nach meinem Dafürhalten geeignete Maßnahmen, um die Dinoflagellatenvermehrung einzudämmen.

      Und ja: Silikatmessungen im Beckenwasser halt ich für einen Unfug. Wenn der Test n.n. ergibt heißt das ja nicht, dass niemals SiO2 da war. Der Test macht - wenn überhaupt - nur Sinn beim Frischwasser. Ich verwende in einigen Becken silikathaltiges Bodensubstrat und hab trotzdem kein nachweisbares SiO2 im Wasser, weil es ganz einfach aufgebraucht wurde.

      Du musst ganz einfach Geduld haben, dafür ist die Freude, wenn sich die Biologie wieder erfangen hat, umso größer :)

      Liebe Grüße
      Linda
    • moin,

      nebenbei bemerkt: in der literatur der 90ger jahre, wie dem meerwasseratlas oder dem band 1 korallenriff-aquarium, wird über dinos oder auch goldalgen in bezug auf "plage" nicht berichtet.

      kann mich selbst auch nicht erinnern, bis ca. 2008 jemals davon betroffen gewesen zu sein.

      was ist heutzutage so "verschlimmbessert" worden, dass sie überfallartig die systeme besetzen können?
      ansonsten
      gruss
      joe

      korallenfarm.de H
      "ULTRA-C o r a l s - made in Germany"
      der weg ist das ziel!
      theorie ist: wenn man alles weis und nichts funktioniert.
      praxis ist: wenn alles funktioniert und keiner weis warum.
    • Hallo Linda,

      warum sollen hier Silikatmessungen Unfug sein? Kieselalgen werden bekanntlich durch höhere Silikatkonzentrationen verursacht und sind ihrerseits eine wichtige Nahrungsquelle für Dinoflagellaten.

      Was die Ursachen der "roten Tiden" anbelangt, ist sich die Wissenschaft ja auch noch nicht eindeutig sicher. Die Annahmen gehen von Phosphat- und Stickstoffverbindungen aus der Landwirtschaft bis hin zu chemischen Verbindungen aus Industrieabwässern, Mineralien aus Tiefenwasser oder Eisen aus Wüstenstaub. Das vermehrte, früher nicht so bekannte Auftreten auch in gemäßigten Zonen wird mit erhöhten Wassertemperaturen in Verbindung gebracht.
      Faszit: man weiß es immer noch nicht ganz genau.

      Joe´s Eindruck, dass früher Dinoflagellaten kein Thema in der Meeresaquaristik war, teile ich. Allerdings ging es immer schon um Cyanobakterien. Da auch hierzu der Kenntnisstand noch beschränkter war, könnten auch Irrtümer bei der Zuordung dieses Bild geprägt haben.

      Gruß

      Bernd
    • Bernd Koberstaedt schrieb:


      Joe´s Eindruck, dass früher Dinoflagellaten kein Thema in der Meeresaquaristik war, teile ich. Allerdings ging es immer schon um Cyanobakterien. Da auch hierzu der Kenntnisstand noch beschränkter war, könnten auch Irrtümer bei der Zuordung dieses Bild geprägt haben.
      hallo bernd,

      weiss nicht, baensch sowie fossa & nielsen sollten da doch schon den durchblick gehabt haben. die teilchen werden ja in den büchern behandelt aber halt nicht als plage erwähnt.

      desswegen die frage: was war damals anders?
      ansonsten
      gruss
      joe

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    • Hallo Joe,

      was es früher nicht so ausgeprägt gab waren vor allem die starken Strömungspumpen, LED-Beleuchtung, viele Zugabemittel - vor allem Spurenelement- und Bakterienpräparate - sowie Riffkeramik.
      Ich habe aber hierzu aber keine näheren Anhaltspunkte, dass irgendetwas davon die Vermehrung der Dinoflagellate gefördert hätte.
      Theoretisch denkbar wäre, dass mit Importen von Korallen u.a. invasivere Arten oder Stämme eingeschleppt wurden, die nun durch Ableger etc. weiterverbreitet werden. Hierzu müssten aber die zur Plage werdenden Dinoflagellaten wissenschaftlich genauestens bestimmt werden. Dies wird wohl kaum jemand leisten können, allenfalls als Nebenergebnis irgendeiner Dipl.Arbeit

      Gruß

      Bernd
    • Hallo zusammen,


      ihr könnt euch drehen und wenden, wie ihr wollt. :D Joe, bereits in den 80igern bin ich an einer derben Plage fast schier verzweifelt. Das Absaugen und Aussitzen hat fast 9 Monate angedauert. Gut, dass das Becken im Keller stand......! Das hat sich dann später irgendwann, nicht ganz so ausgeprägt, wiederholt. Ich war absolut nicht der einzige Aquarianer, dem diese Plage ins Haus stand. Die einzige Hoffnung, die wir hatten, war die Methode "Kalkwasser" von Peter Wilkens. Hat auch nicht immer geklappt. Spaerliche Erfolge konnten nicht einwandfrei belegt werden. Es ist also beileibe keine neuzeitliche Erscheinung. Ich kann auch keine signifikante Zunahme entdecken. Mal treten sie auf, mal nicht. Unter Verwendung von Osmosewasser, wie auch unter Leitungswasser. Dass Baensch, Fossa/Nilsen, sowie Sprung sich mit einer allgemein gehaltenen, aber durchweg guten Beschreibung begnügen, hat möglicherweise ihren Ursprung im Vorkommen einer riesigen Anzahl ihrer Brüder und Schwestern (ca. 2500 Arten).. Wo soll man da anfangen, und wo soll man aufhören? Außerdem verschwinden sie tatsaechlich irgendwann von allein. Es ist nur ein unschöner Anblick, verbunden mit einer Zeitfrage. Und, was bei dieser Betrachtung nicht vergessen werden sollte: Nicht nur in unseren Aquarien treten sie auf. Es ist kein Ergebnis von desolaten Aquarienbedingungen. In der Natur sind sie weit häufiger unterwegs.
      Gruss
      Hajo
      Trenne dich nicht von deinen Illusionen!
      Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren,
      aber aufhören zu leben.
      (Mark Twain)
    • Hallo Hajo,

      ich weiß natürlich nicht mehr genau wann dieses Thema wirklich aktuell wurde, aber Ende der 70er oder Anfang der 80er Jahre hatte ich regen Kontakt zu Peter Wilkens und da waren Dinoflagellaten noch kein Thema! In seinen beiden Büchern über Niedere Tiere, in denen er sich auch über die Problematik der Cyanobakterien auslässt (wir hatten hierzu ein paar gemeinsame Versuche gemacht), findest du kein Wort über Dinoflagellaten. In meinem Umfeld hier im badischen Raum gab es m.W. keine entsprechenden Probleme. Gleiches gilt für meine damaligen Kontakte zu Aquarienhändlern bzw. einem Großimporteur. Auch an Publikationen in damalige Fachzeitschriften erinnere ich mich nicht.
      Mag sein, dass es damals bereits regionale Unterschiede gab. Interessant wäre die Frage, ab wann entsprechende Berichte auftauchten.

      Gruß

      Bernd
    • servus hajo,

      dein beitrag hat mir jetzt wirklich geholfen. :yidee ich verändere einfach meine einstellung! es stimmt: beim tauchen habe ich schon ganze riffe voll grün-, rot- und braunalgen gesehen. also: ich habe ein ganz natürliches miniriff hier !
      soll es braun sein oder auch nicht : egal!
      9 monate schaff ich jetzt auch!

      habe 0,07 phosphat, silikat weder im becken noch im vollentsalten wasser,minimal nitrat( 5mg) - ist mir jetzt alles egal: dinos oder goldies: fühlt euch wohl bei mir !

      schönes woende, lg mike
    • noch eine idee: mir fällt auf, dass mein kofferfisch alle schnecken weggefressen hat. was haltet ihr davon, wenn ich den koffer in ein anderes becken gebe und schnecken nachsetze?

      der schangenseestern hat vermutl meinen seeigel auf dem gewissen. schlangenstern raus und neuen igel rein wäre vermutl auch nicht schlecht, oder?

      lg mi
    • Bernd Koberstaedt schrieb:

      warum sollen hier Silikatmessungen Unfug sein? Kieselalgen werden bekanntlich durch höhere Silikatkonzentrationen verursacht und sind ihrerseits eine wichtige Nahrungsquelle für Dinoflagellaten.
      Eben, Bernd! :)

      Wenn große Mengen von Organismen das Silikat aufbrauchen, dann ist es im Aquarium sehr bald nicht mehr nachweisbar. Deshalb mein Hinweis, dass es nur Sinn macht, das Frischwasser auf SiO2 zu testen.

      Liebe Grüße
      Linda
    • Hallo Linda,

      es könnte doch durch regelmäßige Wasserwechsel auch immer wieder nachgeliefert werden. Dass der Themensteller vollentsalztes Wasser verwendet, hat er wohl erst jetzt geschrieben. Außerdem werden die Beiträge ja nicht nur vom Fragesteller gelesen, sondern dienen oftmals auch anderen Betroffenen mit ggflls. anderen Bedingungen als Informationsquelle. Eine Messung der Silikatkonzentration ist daher in meinen Augen noch lange kein Unfug!

      Gruß

      Bernd
    • Bernd Koberstaedt schrieb:

      es könnte doch durch regelmäßige Wasserwechsel auch immer wieder nachgeliefert werden.
      Hallo Bernd,

      sag ich ja:

      Linda schrieb:

      Und ja: Silikatmessungen im Beckenwasser halt ich für einen Unfug. Wenn der Test n.n. ergibt heißt das ja nicht, dass niemals SiO2 da war. Der Test macht - wenn überhaupt - nur Sinn beim Frischwasser.
      Außerdem geh ich davon aus, dass Silizium auch von anderen marinen Organismen benötigt wird. Im Süßwasser ist es mitunter reichlich vorhanden, im Meer kaum.

      Auch wenn einige der Koryphäen hier (das ist nicht böse gemeint - studierte Biologen haben einfach das besser fundierte Fachwissen) sagen, dass die Massenvermehrung von Dinoflagellaten nichts mit einer Entgleisung der Biologie zu tun hat: Ich halte - siehe oben - dagegen.

      Dass das auch in der Natur vorkommt beweist nicht das Gegenteil. Und wenn Joe meint, dass sich 'Dinoplagen' in den letzten Jahren häufen: Das könnte meiner Ansicht nach am Einsatz moderner Leuchtmittel liegen, die punktuell hohe Lichtenergie auf das Substrat bringen und nitrifizierende Bakterien damit verdrängen.

      Liebe Grüße
      Linda
    • Hallo Bernd,


      ich beziehe mich auf einen Kommentar von Julian Sprung, der da lautet: "Ein höherer Ph-Wert scheint die Entwicklung von Dinoflagellaten zu bremsen. Einem Rat von Peter Wilkens folgend empfahlen Delbeek und Sprung (1994) Kalkwasser ( Kalziumhydroxid) gegen eine Massenvermehrung von Dinoflagellaten. Der bremsende Effekt könnte auch durch die Ausfaellung von Phosphat oder Spurenmetallen zustande kommen, den das Kalkwasser hat, oder durch das Intensivieren der Abschäumung infolge des gehobenen PH-Wertes."
      Gruss
      Hajo
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      Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren,
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      (Mark Twain)
    • Hallo,

      in die Achziger oder gar die Siebziger zurückzuschauen und zu vergleichen macht nur begrenzt Sinn. Die Aquarien damals waren ganz andere und teilweise freuten sich die Aquarianer, dass Sachen wuchsen, die wir heute als Plage ansehen. Beleuchtung, Korallen, Filterung, Wasserchemie, da ist nichts mehr so wie in den Siebzigern oder Achzigern.

      Grüße

      Hans-Werner
      H ><((((°>

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    • Hallo Hans-Werner,

      manchmal bedarf es einen Blick zurück, um die Beständigkeit mancher Plagen aufzuzeigen. Auch, dass es keine neuzeitlichen Erscheinungen sind , und auch um manche Bekämfungsmassnahmen zu relativieren. Ausserdem kann es den Unerfahrenen zu einer anderen Einstellung verhelfen. Nicht alles, was früher diskutiert wurde, kann man heute vom Tisch wischen.
      Gruß
      Hajo
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